Halberstadt l Glück hat der kleine Kerl nicht gehabt in seinem kurzen Leben. Im Sterben liegend, ist ein junger Mauersegler Anfang September von Angela König vor ihrem Arbeitsplatz, der Stadtbibliothek in Halberstadt, gefunden worden. Er ist nur etwa 30 Tage alt gewesen. Bei Flügellänge von 101 Millimeter hat das Leichtgewicht knappe 19 Gramm auf die Waage gebracht. "In dem Alter hätte er aber mindestens das Gewicht der Altvögel, nämlich mehr als 45 Gramm, haben müssen. Der Vogel konnte sich von dem extremen Gewichtsverlust nicht mehr erholen", berichtet Bernd Nicolai, der Direktor des Heineanums, bedauernd.

Geehrt werden der kleine "Pechvogel" und seine ganze Gattung nun im Rahmen der Reihe "Exponat des Monats" in dem Vogelkundemuseum am Halberstädter Domplatz. Den Grundstock für die umfangreiche Sammlung bilden Ausstellungsstücke, die der Namensgeber des Museums, Ferdinand Heine, bis in die 1860er Jahre zusammentrug.

Bekannt ist der Mauersegler als eindeutiger Hinweiser auf den Sommer. Kreischend fliegt er im Mai, Juni und Juli über die Stadt. Ende Juli fliegen die Jungvögel schließlich aus. "Sie sind sofort selbständig und verlassen Mitteleuropa wie fast sämtliche Altvögel bereits Anfang August. Schon ab Mitte August sieht man bei uns nur noch unregelmäßig einzelne Segler fliegen", informiert Nicolai. Vereinzelt gäbe es jedoch sehr späte Bruten. So haben die Eltern des "Pechvogels" wohl nicht vor Mitte Juli mit dem Brüten begonnen, so der Experte. Selbst unter günstigeren Umständen hätte der Nachzügler deshalb kaum vor Mitte September in wärmere Gefilde fliegen können.

Das Heineanum ist dienstags bis sonntags zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet.