Oper, Komödie, Musical, Ballett. Wer Theater sagt, denkt meist an die Aktion auf der Bühne. Damit die Inszenierungen gelingen, sind viele Akteure vor und hinter den Kulissen vonnöten.

Halberstadt l Ihre Namen stehen nicht auf dem Programmzettel. Auch der Beifall des Publikums am Ende der Vorstellung gilt - in der Regel - nicht ihnen. Kaum einer unter den Zuschauern wird sich am Ende des Stücks an ihre Gesichter erinnern.

Für die einen sind die Statisten "lebende Requisiten", da sie nicht zum Handlungsverlauf beitragen. Für die anderen sind diese Frauen und Männer mehr als bloße Staffage oder Bildfüller. Sie bilden den Rahmen, in dem sich die Hauptdarsteller entfalten können und tragen als Teil der Aufführung zum Erfolg des Abends bei.

Einer der Statisten am Nordharzer Städtebundtheater ist Christian Bendler. Aufmerksam geworden durch eine Zeitungsannonce stellte er sich bei Bertram Beier, dem Leiter der Statisterie des Theaters, vor. Er kam, wurde gecastet und blieb. Was zuerst nur als ein "Schnuppern der Bühnenluft" gedacht war, so erzählt Christian Bendler, hat sich mittlerweile zu einer länger dauernden Beziehung entwickelt.

"Es ist die besondere Atmosphäre, die mich anzieht. Dass man bei den Inszenierungen Menschen jeden Alters, aus unterschiedlichen Ländern kennenlernt, mit bekannten Schauspielern und Sängern auf der Bühne steht, all das macht das Besondere der Arbeit eines Statisten aus", sagt der 31-Jährige.

Tief zieht er seinen Hut vor den künstlerischen Leistungen des Städtebundtheaters: "Es ist schon toll, was hier von den Sängern, Tänzern, den Mitgliedern des Orchesters und den Schauspielern geleistet wird".

Erster Auftritt in "Hello, Dolly"

Seit mehreren Jahren ist der Ditfurter bei den Produktionen des Hauses dabei, so beim Theaterfest, bei Ballettinszenierungen wie Clockwork Orange im Vorjahr oder immer wieder bei Musikproduktionen. Angefordert wird er wie seine Kolleginnen und Kollegen vom jeweiligen Regieteam.

Seinen ersten Auftritt hatte er in "Hello, Dolly!" Noch heute schwärmt Bendler von der mit dem Theaterpreis 2011 ausgezeichneten Inszenierung "Hoffmanns Erzählungen". In besonderer Erinnerung ist ihm auch die Operette von Ralph Benatzky "Meine Schwester und ich" geblieben. Und das aus einem ganz besonderen Grund: Im 2. Akt im Schuhgeschäft in Nancy übernahm er die Rolle eines Käufers mit einem kleinen Dialog.

Unschwer zu erraten, dass er solche Aufgaben gern künftig mehr übernehmen würde. Derzeit ist er in La Bohème, im 2. Akt und im 3. Akt, zu sehen. Im Café Momus, in dem Mimi, Rudolf und ihre Freunde einkehren, ist er der Chefkellner und sorgt dafür, dass die Gäste angemessen bedient werden und sich wohl fühlen.

Jahresbeginn auf der Bühne

Um den Anforderungen, selbst an stumme Rollen, zu entsprechen, muss man einiges an Disziplin, Ausdauer, Pünktlichkeit und Eigenverantwortung mitbringen, weiß Bendler aus Erfahrung: "Für uns als Statisten gilt, unsere Tätigkeiten entsprechend der Hinweise des Regieteams auszuführen". Und gibt es für Statisten auch so etwas wie "Lampenfieber"? "Aber ja", lächelt Christian Bendler. "Wenn ich an meine erste Vorstellung denke, da war ich wie gelähmt. Jetzt gehe ich etwas lockerer damit um".

Das neue Jahr hat für ihn - natürlich - auf der Bühne begonnen. Zu Silvester hat "Mirandolina", die Komödie von Carlo Goldoni, in Quedlinburg Premiere. Und was wünscht sich Christian Bendler für 2014? "Vor allem den Weiterbestand des Nordharzer Städtebundtheaters und somit schöne Rollen für mich sowie eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit den Kollegen".