Kein Fußweg in Osterwieck ist länger als auf der Rudolf-Breitscheid-Allee. Und keiner ist in einem schlimmeren Zustand.

Osterwieck l Auch in einer Zeit, in der der Mensch mehr auf vier Rädern als auf Schuhsohlen unterwegs ist, geht es nicht ohne Fußwege. Ganz besonders nicht an der Rudolf-Breitscheid-Allee. Diesen Fußweg benutzen täglich die Schüler von Gymnasium, Grundschule und Sportvereinen zum Unterricht bzw. Training ins Sportzentrum und zurück. Stolpern wäre wohl die bessere Beschreibung. Denn der Fußweg wimmelt nur so von Schäden und Fallen. Äußeres Zeichen ist eine Warnbake, die seit einigen Wochen an der Bushaltestelle steht. Aufgestellt auf einem defekten Gully, nachdem auch im Ortschaftsrat der katastrophale Zustand des Weges angemahnt wurde.

In welchem Abschnitt des fast einen Kilometer langen Weges man auch geht, ein forscher Schritt ohne Blick auf die alten Gehwegplatten ist nirgends möglich. An der Haltestelle ist es der Gully, wenige Meter vor der großen Sporthalle weiter löst sich langsam der Betonweg auf. An der anschließenden kleinen Sporthalle steht nach jedem Regen für längere Zeit eine Pfütze. Dort ist der Ablauf höher als der Weg. Die ebenfalls aus Beton gefertigte Ausfahrt des Grundstücks, auf dem heute der Jugendklub ist, hat tiefe Auswaschungen. Auf der weiteren Strecke senken sich einzelne Gehwegplatten bzw. lösen sich auf. Wer noch den Abschnitt zwischen Sackstraße und Krankenhauskreuzung unter die Füße nimmt, wird an einem halben Dutzend zentimeterhoher Kanten der querenden Grundstücksausfahrten verzweifeln.

Eigentlich ist das alles auch nicht verwunderlich, denn der Weg wurde schon vor dem Bau der großen Sporthalle angelegt, berichteten Zeitzeugen. Die Platten liegen also seit rund einem halben Jahrhundert.

Nein, gestürzt sei von den Kindern noch keines, berichtete Grundschulleiterin Kristin Birla auf Anfrage. Sie geht als Sportlehrerin auch selbst oft gemeinsam mit den Kindern zu Fuß zur Turnhalle. "Gefahr ist auf jedem Meter gegeben. Die Kinder sind das inzwischen gewöhnt." Als ärgerlich sieht sie die große Pfütze vor der kleinen Turnhalle. "Wir müssen dann im Entenmarsch vorbei." Bei Frost aber ist es an der Stelle richtig gefährlich. Dann ist der Weg auf ganzer Breite eine Eisfläche.

Zum Glück ist zwischen Gehweg und der vielbefahrenen Straße noch ein Grünstreifen. Auf der Fahrbahn rollt der größere Teil des Durchgangsverkehrs durch Osterwieck.

Reparaturbedarf der Orte füllt lange Liste

Was tun? An einen Neubau des Fußweges ist nicht zu denken. Als Osterwieck noch selbstständige Stadt war, sei die Erneuerung des Fußweges auch kein Thema gewesen, bestätigte Ortsbürgermeister Ulrich Simons (CDU). Im Ortschaftsrat seien vor Kurzem von Abgeordneten besonders die beiden Stellen mit dem Gully und der Pfütze angesprochen worden.

Simons werde den Weg jetzt selbst nochmal abgehen und sich ein genaueres Bild machen. An das Bauamt der Stadtverwaltung wolle er ein Schreiben aufsetzen, dass dieser Weg noch nachträglich auf die Liste der notwendigen Reparaturarbeiten für 2014 kommt. Bisher sei er von der Ortschaft nicht angemeldet gewesen.

Doch die Liste ist jetzt schon lang. Aus den 20 Orten der Stadt wurden bisher 57 Reparaturvorhaben gemeldet, berichtete Bauamtsleiter Detlef Schönfeld. 33 davon betreffen Straßen, Wege und Plätze. "Es ist noch offen, wie viel Geld dafür im Haushalt 2014 zur Verfügung stehen wird." Eine gute Nachricht aber hatte er: Der defekte Regenwasserschacht an der Bushaltestelle, wo die Warnbake steht, solle kurzfristig repariert werden. Der Auftrag sei bereits ausgelöst.

Ein grundhafter Ausbau des Fußweges sei erstmal kein Thema, sagte Schönfeld. Das wäre wohl auch nur zusammen mit der Straße möglich, die in Trägerschaft des Landes ist. Das Land hat bereits drei Bauprojekte in Osterwieck im Visier - die beiden Ilsebrücken und den Fortgang der Hornburger Straße. Worauf die Stadt schon lange wartet. "Es wäre gut, wenn die erstmal abgeschlossen werden."

 

Bilder