Vor 15 Jahren wurde die Telefonseelsorge Dessau ins Leben gerufen, die auch für Halberstadt zuständig ist. Seitdem beraten die ehrenamtlichen Mitarbeiter Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden.

Halberstadt. Anonym, vertraulich, kostenlos – auf diesen kurzen Nenner lässt sich die Arbeit der Telefonseelsorge Dessau bringen. Wobei weit mehr dahinter steckt. Vor allem das Engagement von vielen ehrenamtlichen Frauen und Männern, die Menschen helfen, die in einer Krise stecken und um Hilfe bitten. Sie sind rund um die Uhr 24 Stunden und an 365 Tagen im Jahr für Menschen in Not erreichbar.

"Wir erleben immer wieder, dass die Leute einsam sind"

Wer sich etwas von der Seele reden will, Hilfe sucht, kann die (0 80 01) 11 01 11 oder (0 80 01) 11 02 22 wählen. Am anderen Ende der Leitung sitzt ein Ansprechpartner, der zuhört und vielleicht Wege aus einer schier ausweglosen Situation aufzeigen kann. "Reden hilft, ist Balsam für die Seele", weiß Andreas Krov-Raak, Leiter der Telefonseelsorge Dessau. Das Bedürfnis haben viele. Teils über 100 Menschen pro Tag suchen Hilfe. Allein im vergangenen Jahr wurden 15 512 Gespräche geführt.

"Die Probleme sind so vielschichtig wie das Leben. Sie reichen von der großen Lebenskrise, über Partnerschaftsprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und in der Schule, Mobbing sowie Krankheit bis hin zum liebgewordenen Goldfisch, der plötzlich verstorben ist", erzählt Andreas Krov-Raak. 53 Prozent aller Standardanrufe kamen 2010 von Alleinstehenden, darunter 59 Prozent Frauen. "Wir erleben das immer wieder, dass die Leute einsam sind und einfach nur jemanden zum Reden suchen. Manche haben tagelang mit keinem anderen Menschen gesprochen", berichtet Krov-Raak. Es gebe Menschen, für die die Mitarbeiter der Telefonseelsorge Familienersatz sind.

Doch was hat Dessau mit Halberstadt zu tun?

Die Telefonseelsorge Dessau ist auch für Halberstadt und die Harzregion zuständig. Also, wer hier zum Telefon greift, spricht mit der Telefonseelsorge Dessau beziehungsweise mit einem Ehrenamtlichen. Zwei Außenstellen gehören dazu: eine in Wittenberg und die zweite in Wernigerode.

"Aus Halberstadt gibt es derzeit keinen einzigen Ehrenamtlichen"

Um den hohen Anspruch – 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr erreichbar zu sein – abdecken zu können, ist die Telefonseelsorge ständig auf der Suche nach neuen Mitstreitern. Auch aus Halberstadt und Umgebung, wie Andreas Krov-Raak betont, der selbst aus der Kreisstadt kommt. "Übrigens aus Halberstadt gibt es derzeit keinen einzigen Ehrenamtlichen bei der Seelsorge. Eine Katastrophe, wie ich finde", sagt Krov-Raak.

Was die Suche nach Mitstreitern noch erschwert: Nicht jeder eignet sich für diese anspruchsvolle Freizeittätigkeit. Darum erfolgt nach Einzelgesprächen auch eine Auswahl. Und vor der Arbeit am Telefon steht erst einmal eine fundierte Schulung der künftigen "Seelsorger", die 120 Ausbildungsstunden umfasst. Sind diese "Hürden" genommen, müssen sich die Ehrenamtlichen für die Dauer von zwei Jahren verpflichten und monatlich 12 Stunden Telefondienst absichern. "Eine wichtige Voraussetzung, um unserem Anspruch auch gerecht zu werden", so der Leiter der Telefonseelsorge. Und weil es die Außenstelle in Wernigerode gibt, müssen die Ehrenamtler auch keine langen Anfahrtswege in Kauf nehmen.

Interessenten können sich unter Telefon (03 40) 21 67 72 25 oder per E-Mail an telefonseelsorge-dessau@t-online.de melden.

Bilder