Unternehmen, die erfolgreich einen Generationswechsel der Chefetage überstanden haben, stehen für Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) im Fokus. Derzeit besichtigt er solche Firmen, gestern das Halberstädter Zahntechnik-Labor Rust.

Halberstadt l Für Ministerpräsidenten Reiner Haseloff ist es fast so etwas wie ein Heimspiel gewesen, als er am gestrigen Mittwoch das Zahntechnik-Labor Rust in Halberstadt besuchte. Zwar erhielt er seinen Doktortitel nicht als Mediziner sondern als Diplom-Physiker, Erfahrungen hat der Christdemokrat dennoch in dem Bereich Dentalmedizin. "Meine Frau ist Zahnärztin", berichtete Haseloff. Während ihres Studiums stand er ihr hilfreich zur Seite, fertigte Prothesen mit ihr an, verriet er weiter und fügte lachend hinzu: "Spaß hat es gemacht. Vielleicht wäre es auch eine Option gewesen."

Neue berufliche Kontakte für seine Ehefrau zu knüpfen, war jedoch nicht der Grund für seinen Besuch in der Domstadt. "Zurzeit besichtige ich Unternehmen, in denen Genrationswechsel gut funktioniert haben. Wir wollen der Öffentlichkeit solch positive Beispiele zeigen", informierte Reiner Haseloff.

Die Firma Zahntechnik Rust besteht seit mehr als 75 Jahren. Seit Sommer vergangenen Jahres ist Christian Rust Chef des Unternehmens. Damit hält er die Familientradition aufrecht. Sein Großvater hat das Labor gegründet, Vater und Onkel haben ebenfalls das Zahntechniker-Handwerk erlernt, berichtete der Junior-Chef.

Derzeit beschäftigt er 30 Mitarbeiter an zwei Standorten in Halberstadt. Mit einigen suchte Reiner Haseloff bei seiner Unternehmensbesichtigung das Gespräch. Der 59-Jährige erkundigte sich, ob sich die meist weiblichen Angestellten wohlfühlen, wie sie zu dem Beruf gekommen waren und punktete bei ihnen mit seinem Fachwissen.

Augenmerk legte der ehemalige Wirtschaftsminister auf die Situation der Auszubildenden. "Leider haben wir nur zwei. Es fehlen Bewerber", bedauerte Christian Rust. Für Haseloff ist das unverständlich: "Zahntechniker ist ein spannender Beruf. Ob Hightech, Handwerk, mathematische Kenntnisse oder Design - einem Lehrling wird Abwechslung geboten." Damit Schulabgänger frühzeitig auf eigenen Beinen und in Lohn stehen würden, sei es seiner Meinung nach wichtig, sie ausführlich über die Berufsbilder zu informieren und ihnen qualifizierte Ausbildungs- und sichere Arbeitsplätze zu bieten. "Nur so kann man junge Leute in der Region, in der Heimat, halten", betonte Haseloff. Diese potenziellen Fachkräfte seien nicht erst in Zukunft wichtig. "Rund ein Fünftel der Unternehmen im Land stehen in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel. Es wäre schade, wenn die Firmen schließen müssten, weil keine Nachfolger da sind", resümierte Reiner Haseloff. Umso wichtiger sei es, dass die neuen Chefs vom Land, Behörden und Kreditinstituten unterstützt werden.

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