Anderbeck l Die Freude über den Laden ist groß in Anderbeck. Wie in anderen Dörfern, gab es auch in Anderbeck früher gleich mehrere Einzelhändler. In den vergangenen Jahren blieben nur noch ein Gemischtwarenladen und die Fleischerei von Annemarie Kühner. Sie schloss 2012. "Der einzige \\\'bunte\\\' Laden von Heidrun Bode in der Dorfmitte musste zum Jahresende aus familiären Gründen aufgeben", berichtete Beata Greschniok, die nun die Anderbecker wieder mit Waren des täglichen Bedarfs versorgt.

Sie erlernte einst den Beruf Buchhändlerin, arbeitete begeistert vor allem in Leipzig in der Branche und kam vor 27 Jahren an den Huy. Hier gab es verschiedene Beschäftigungen in Buchhandlungen und Bibliotheken der Region. Auch die Anderbecker Ausleihe führte sie.

Als der "bunte Laden" von der Vorgängerin geräumt wurde, begann das große Nachdenken. Nach einer Woche Beratung in der Familie stand fest: "Ich wage einen Neuanfang. Seit der Entscheidung geht es mir auch besser", bekennt Beata Greschniok, die nicht länger auf eine feste Beschäftigung warten wollte. Nun wagt sie den Schritt in die Selbständigkeit.

Dorfladen bringt neues Leben nach Anderbeck

Dann hieß es anpacken. "Mit solch einem Zusammenhalt im Ort habe ich gar nicht gerechnet", macht sie klar. Wegen der guten Lage und der großzügigen Räume ging es optimistisch ans Werk. Die Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes hatten noch einige Auflagen zur Hygiene, doch nun ist fast alles geschafft. Bei einem Logistikunternehmen folgte eine kurze Schulung, damit auch Pakete angenommen werden können.

Am Dienstag startete "Der Dorfladen", zahlreichen Gratulanten und neugierige Kunden kamen vorbei. "Es ist schön, dass hier wieder Leben einzieht", sagte Ortsbürgermeisterin Ilona Bach (CDU) und wünschte der Existenzgründerin alles Gute. Wer ein Auto hat, wird seine Großeinkäufe sicher weiterhin in den Nachbarorten tätigen. "Wem mal eine Tüte Milch oder Kaffee fehlt, der kann hier rasch seinen Bedarf decken", bietet die stolze Ladenbetreiberin an. Lediglich am Montag sowie am Donnerstag-Nachmittag sei geschlossen, um Einkäufe für den Laden zu tätigen. Ansonsten steht die Verkäuferin von 8 bis 12 Uhr sowie von 15 bis 18 Uhr in ihrem Laden, am Sonnabend schon von 7.30 bis 11 Uhr.

Viele Dinge holt sie selbst vom Großhandel. Frische Brötchen und andere Backwaren liefert der Bäcker aus Athenstedt täglich an. Das Sortiment und die Menge müssen sich - je nach Bedarf - erst einpendeln. Beim Obst zeigten sich am Dienstag erste Lücken. Die meisten Angebote stehen im Selbstbedienungsbereich. Künftig soll es auch einen kleinen Kaffeeausschank geben - Gelegenheit für eine Pause, für ein Schwätzchen mit anderen Kunden.

Zusatzstandbein Lotto-Schein

Oft wird am Eröffnungstag die Hilfe der Familie und weiterer Anderbecker gelobt. Weil es keine Förderung und von keiner Bank einen Kredit für solch ein Vorhaben gibt, mussten ebenfalls die Familie und Freunde finanziell aushelfen.

Von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt steht noch eine Schulung an, dann kann Ende des Monats auch dieses Angebot starten, denn offensichtlich warten schon einige Anderbecker auf einen Lottoladen.

Die gelernte Buchverkäuferin will ihren ursprünglichen Beruf nicht ganz aufgeben und künftig einige antiquarische Exemplare im Laden anbieten.

"Vor allem für uns Ältere ist das Vorhaben eine schöne Sache", betonte Elisabeth Künzler, die die Seniorengruppe im Ort leitet. Das sei doch ein schöner, zentraler Anlaufpunkt. Und den will die "Neue" gern weiter ausbauen.