Schüler des Fallstein-Gymnasiums haben ihren Geschichtsunterricht in dieser Woche in die Straßen Osterwiecks verlegt. Dort machten sie sich auf die Suche nach der "Schwarzen Kunst".

Osterwieck l Ein genauer Blick auf und hinter die Fassaden lohnt sich in Osterwieck. An vielen Häusern der Innenstadt zeugen Inschriften von einer alten Handwerkskunst, die hier betrieben wurde. Mitte des 19. Jahrhunderts brachte sie Bernhard Angerstein in die Fachwerkstadt. "Der Quedlinburger, der 1839 geboren sein soll, gründete die erste Druckerei im Ort", informiert Christine Krebs. Die Museumsleiterin hat sich diese Woche mit Schülern des Fallstein-Gymnasiums auf die Suche nach Spuren der "schwarzen Kunst" begeben.

Nicht nur für das Geschichtswissen der Siebtklässler ist die Tour eine Bereicherung gewesen. "Viele Schüler kommen aus Niedersachsen und kennen bislang nur den Weg vom Busbahnhof zur Schule", berichtete Klassenlehrerin Susanne Näther. Sie selbst stammt aus Leipzig und ist dementsprechend mit dem Thema Buchdruck gut vertraut, über Osterwieck konnte sie jedoch ebenfalls noch einiges lernen.

Zum Beispiel, dass es bei Zickfeldt, der zweiten Osterwiecker Druckerei, immer nach Druckerschwärze und Harzkäse roch, der im selben Haus hergestellt wurde. Geruch war wohl auch an einem weiteren Platz, den die Schüler besichtigten, ein Thema: der ersten öffentlichen Toilette der Stadt. Weiter ging es zum ehemaligen Postamt, in dem der Verlag später bis zum Zweiten Weltkrieg untergebracht war. "Zickfeldt war einer der größten Arbeitgeber der Stadt und hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinen Angestellten", berichtete Christine Krebs.

Die Heimatkundlerin zeigte den Schülern Kopien von alten Zeitungen. Deren Inhalt war für die meisten nicht so einfach zu entziffern. Die Blätter waren in altdeutscher Schrift gedruckt. Einzig Niels Battermann bereiteten die Lettern keine Probleme. "Ich kann Altdeutsch lesen", sagte der Hornburger stolz. Er habe es sich mit alten Büchern selbst beigebracht. Hilfe gab es von den Großeltern.

Der ungewöhnliche Geschichtsunterricht endete im Heimatmuseum Osterwiecks. Dort bestaunten die Kinder Porträts von Verwandten Martin Luthers, die in Osterwieck lebten, Miniaturhäuser, oder seltenes Ledergeld.