Schlanstedt l Wer sich für einen Besuch der Heimatstube in Schlanstedt entscheidet, sollte Zeit mitbringen. Es gibt jede Menge Interessantes zu entdecken. Gut beraten ist der Besucher, der sich unter Leitung eines sachkundigen Vereinsmitgliedes durch die thematisch eingerichteten Ausstellungsräume führen lässt.

Es duftet nach Kaffee und Kuchen im ganzen Haus. Gisela Bawey vom Heimatverein nimmt sich Zeit und führt durch die Heimatstube. Doch ist der Name Heimatstube ist nicht ganz richtig.

In den Räumen der ehemaligen Schule hat der Heimatverein Schlanstedt gleich ein ganzes Gebäude gefunden und es mit Schätzen gefüllt. Somit sind es viele "Stuben". Wenn die Treppe zur oberen Etage nicht aus Holz wäre und daher das Obergeschoss aus brandschutztechnischen Gründen nicht genutzt werden darf, wäre auch diese Etage voll mit Ausstellungsstücken. Trotzdem gibt es eine Fülle zu sehen.

Schlanstedt ist ein Ort mit viel Geschichte. Diese ist in der Heimatstube anschaulich dargestellt und erlebbar gemacht worden. Dank der guten Platzverhältnisse sind die Räume thematisch eingerichtet. An einem Modell der Burg Schlanstedt hält Gisela Bawey inne: "Zuerst waren wir in der Burg zu Hause. Genau zum 40. Jahrestag der DDR, am 7. Oktober 1989, hatten wir dort unsere Ausstellung eröffnet. Nun sind wir bereits seit zehn Jahren in der ehemaligen Schule." In diesem Domizil gehe es dem Verein besser, so Gisela Bawey. Sie erinnere sich ungern an einige Querelen. "Mit dem Eigentümer der Burg sind wir nicht im Guten auseinandergegangen."

Der Heimatverein hat heute etwa 45 Mitglieder, davon sichern zehn Mitstreiter die Öffnungszeiten der Heimatstube ab. Gisela Bawey gehört dazu. Die Rentnerin stammt aus Schlesien, ist seit 1945 im Huy und 1956 nach Schlanstedt gezogen. Sie hat vieles, was in der Heimatstube zu sehen ist, selbst erlebt. Zum Beispiel die lange und wechselvolle Geschichte der Gemeinde als Saatzuchtstandort, die im Saatzuchtzimmer gezeigt wird. Zum Glück sei die Firma Strube 1992 nach Schlanstedt zurück gekehrt. Neben vielen Fotos und Dokumenten sind die Produkte anschaulich erklärt. Ein echter Schatz steht hinter Glas: "Es sind 20 Jahre lückenlose Buchführung des Haushalts der Familie Rimpau", sagt Gisela Bawey. Diese Unterlagen seien in der Burg eingemauert und 1988 zufällig gefunden worden.

Überhaupt stehen in der Heimatstube viele historische "Schätze" wie eine Ritterüstung, ein schmucker gusseiserner Ofen bis hin zum Korsett aus Omas Zeiten. Jedes Exponat hat eine Geschichte, und diese kennen die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder alle.

Einige Besucher kommen immer wieder gern auf einen Plausch vorbei, wie zum Beispiel Joachim Gräger. Er bezeichnet sich selbst als Ur- Schlanstedter und sei zuletzt wegen eines ganz bestimmten Bildes gekommen. Stolz zeigt der Mann auf die Abbildung seines Elternhauses, die Gräber Mühle.

Im Schulzimmer gibt es ein großes Hallo, wenn Kinder die Heimatstube besuchen. Die kleinen Bänke mit Schiefertafeln und alten Schulbüchern werden bestaunt. Eine Landkarte zeigt die damaligen Grenzen und auf dem Lehrerpult liegen alte Zeugnisbücher von 1870 bis 1915. So mancher Besucher hat darin nachgeschlagen, um festzustellen, ob der Opa wirklich so gut war, wie er immer behauptet hat.

Heimatstube ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet

   

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