Wernigerode (im) l Die Probleme heranwachsender Jungen sind in der jüngsten Veranstaltung der GenerationenHochschule auf dem Wernigeröder Campus beleuchtet worden.

Mit knapp 200 Zuhörern war der AudiMax auch diesmal gut gefüllt, berichtete Hochschulsprecher Andreas Schneider. Unter ihnen hatten sich zahlreiche Akteure aus der regionalen Kinder- und Jugendarbeit befunden.

Referent Prof. Dr. Ralf Bohrhardt stellte gleich zu Beginn seines Vortrages klar, dass sich das Verhalten Erwachsener gegenüber Jungen und Mädchen vom ersten Tag ihrer Geburt an unterscheidet. Neben genetischen Anlagen habe dies einen großen Einfluss auf Körper, Psyche und gesellschaftliche Stellung und somit auf die Ausprägung ihrer Persönlichkeit. Der Wissenschaftler: "Auffälligkeiten im Bereich von Sucht, Aggression und Gewalt vor allem junger Männer sind oft Ausdruck mangelnder Möglichkeiten, die unterschiedlichsten Ansprüche an die eigene Männlichkeit unter einen Hut zu bekommen."

Der Dozent, der an der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg unter anderem das deutschlandweit einzigartige Vertiefungsstudium "Soziale Arbeit mit Jungen und Männern" verantwortet, betonte sodann: "Die Identifikation von Jungen mit einer Vaterfigur ist sehr wichtig." Und: "Schau mich an, so ist es, ein Mann zu sein: Diese Botschaft einer männlichen Bezugsperson dient als Orientierung." Dies wirke sich positiv auf die Psyche der Jungen aus. Derzeit habe es das frühere "starke Geschlecht" nicht leicht. Ralf Bohrhardt: "Im Grunde liegen Jungen in ihrer Entwicklung ein bis zwei Jahre hinter den Mädchen zurück - dennoch besuchen sie die gleiche Klassenstufe."

Dem schlechteren Abschneiden von Jungen in Bildungsvergleichen wie PISA ging der Experte ebenfalls auf den Grund. Er erläuterte: "Mädchen sind in unserem Bildungssystem deutlich erfolgreicher. Immer weniger männliche Absolventen stehen am Ende einer höheren Schulbildung oder gar eines Studiums." Das habe auch damit zu tun, dass es in der Schule jenseits der Sportstunden quasi ein Bewegungsverbot gibt. Dies provoziere bei vielen Jungen ein Verhalten, das im Vergleich zu Mädchen bei gleichen Leistungen zu schlechteren Noten führt.