Das Wohl der Kleingärtner hat die Mitglieder des Kreis-Umweltausschusses bei ihrer jüngsten Sitzung beschäftigt. Die drei Regionalverbände im Harzkreis ringen vor allem mit dem demografischen Wandel. Sogar der Rückbau verwaister Sparten ist längst ein Thema.

Halberstadt l "Wir kämpfen mit dem demografischen Faktor", sagt Herbert Lindner vor den Mitgliedern des Kreisumweltausschusses.

Er ist Chef des Regionalverbandes der Gartenfreunde Quedlinburg. Darin sind derzeit 64 Vereine mit rund 3900 Mitgliedern organisiert. Weil es immer schwieriger wird, verwaiste Parzellen neu zu vergeben, ist damit begonnen worden, sie einzuebnen. Lindner nennt ein Beispiel aus Ermsleben. Dort ist bereits eine komplette Anlage mit 100 Grundstücken zurückgebaut worden. Selbst finanziert und mit Unterstützung der Gemeinde beziehungsweise von Sponsoren, denn Fördergeld gibt es nicht dafür. Der Vorsitzende: "Unser Ziel ist es, in zwei Jahren für jeden Verein eine Zukunftsplanung zu haben."

Die hätte Walter Ludwig ebenfalls gern. Der Halberstädter führt in den Grenzen des Altkreises 50 Gemeinschaften. 3900 Parzellen gab es mal. Aktuell sind es noch 3294. Ludwig: "Das ist ein riesiger Leerstand, dem wir begegnen müssen." Allein Ideen wie, die gibt es noch nicht.

Für Roland Vogel als Chef des Wernigeröder Regionalverbandes ist das hingegen bislang noch kein Problem. Momentan liegt die Quote bei 6,4 Prozent, sagt der Interessenvertreter von 68 Vereinen auf einer Gesamtfläche von 97 Hektar und mit 3022 Mitgliedern. Vogel: "Wir würden aber jede Hilfe annehmen." Denn: "Rückbau kostet richtig Geld."

"Verbrannt wird in Gärten von Eigenheimen."

Walter Ludwig, Halberstadt

Geht es nach André Lüderitz, dann müssen die Belange der Gartenfreunde in das künftige Entwicklungskonzept für den Harzkreis mit einfließen. Der Ausschussvorsitzende (Linke) sichert dafür seine und die Unterstützung seiner Kollegen zu.

Brachliegende Schollen sind allerdings nicht die einzige Sorge, die die drei Verbandschefs umtreibt. Eine andere heißt Abtransport der Gartenabfälle. Mit der zuletzt 2012 neu gefassten Verordnung zum Verbrennen sind sie einverstanden, betonen Lindner, Ludwig und Vogel unisono. Immerhin ist damit die Zahl der Feuer in den Altkreisen Halberstadt und Wernigerode ihrer Schätzung nach um mindestens 50 Prozent zurückgegangen. Auf dem Quedlinburger Territorium war das Zündeln ohnehin nie ein Thema, weil im Altkreis komplett verboten.

Gleichzeitig wehren sie sich aber gegen pauschale Verurteilungen in der Öffentlichkeit, die Kleingärtner würden dennoch kokeln. Walter Ludwig: "Wir werden fälschlich bezichtigt. Verbrannt wird in Gärten von Eigenheimen."

Um so misslicher finden es die Vorsitzenden, dass die von den Sparten bei der Entsorgungswirtschaft des Landkreises Harz (enwi) zur Abfuhr erbetenen Container in etlichen Fällen nicht wie gewünscht geliefert werden. Roland Vogel: "Wenn ich fünf bestelle, bekomme ich vier." Klaus Ludwig: "Ich weiß von einem Verein, der hat zwei zehn Kubikmeter-Container geordert und kriegt zwei mit fünf Kubikmetern."

Torsten Sinnecker hat sich den Kritikpunkt, wie er sagt, "ganz dick aufgeschrieben". Der Leiter des Kreis-Umweltamtes: "Enwi hat das schon professionell organisiert, aber das ist auch eine Geldfrage."

Zumindest für André Lüderitz steht dennoch fest: "Der Landkreis muss für eine ausreichende Bereitstellung von Containern durch enwi sorgen."