Dank integrativer Kindereinrichtungen, Förderschulen, Werkstätten und Wohnheimen werden Kinder und Erwachsene mit Handicaps und Behinderungen viele Jahrzehnte ihres Lebens betreut. Doch wer kümmert sich, wenn diese Menschen 60 Jahre und älter werden?

Halberstadt l Über die Betreuung älterer Behinderter haben Vertreter aus mehreren Behinderteneinrichtungen Sachsen-Anhalts beim jüngsten Quartalsgespräch des Cecilienstiftes diskutiert. "Das Thema brennt uns auf den Nägeln", betonte Pfarrerin Hannah Becker vom Cecilienstift. Einiges liege an jedem selbst, doch die Gesellschaft müsse für entsprechende Rahmenbedingungen sorgen.

"Die Lebenserwartung gleicht sich den Nichtbehinderten an", sagt Bereichsleiterin Ina Klamroth. Dazu trage auch die Entwicklung der Medizin bei. Was einerseits gut sei, ökonomisch betrachtet aber für die Träger der Sozialhilfe höhere Kosten bedeute.

Vertreter von Behinderteneinrichtungen aus Halle, Hoym und Schönebeck beklagten, dass sich die Pflege- und Sozialkassen schwer mit den neuen Anforderungen tun. Im Cecilienstift wurde 2010 das ehemalige Schwestern-Wohnheim zu einer Tagesförderstätte umgebaut, berichtete Leiterin Kerstin Auerbach. Die 35 Nutzer erhalten unterschiedliche Sozialleistungen. Die Älteren kommen aus dem nahen Wohnheim, aber auch einige andere Senioren treffen sich hier täglich.

Die Älteren brauchen mehr Ruhe, wollen spezielle Beschäftigungen. Angeboten wird das Teppichweben, gemeinsames Kochen und Spaziergänge. Ein Bewohner betreut ein kleines Gartenstück. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Frühstück. Donnerstags gibt es sportliche Präventionskurse. Die konnten unkompliziert bei der Krankenkasse beantragt werden.

Andere Einrichtungen haben die Erfahrung gemacht, dass Ältere zunehmend eigene Wohngruppen wünschen, länger schlafen wollen und nicht jedes Angebot zum Spazierengehen nutzen. Älter werdende Behinderte haben vor allem Angst, dass sie nach dem Ausscheiden aus der täglichen Werkstattarbeit nicht mehr in dem gewohnten Wohnumfeld bleiben können. "Wir bereiten bei uns die Betroffenen langsam auf das Rentenalter vor", bestätigte Sandra Giebel, pädagogische Leiterin der Diakonie-Werkstätten. Auch ein "Senioren-Bus" wurde eingerichtet, um den Älteren einen entspannteren Weg zur Werkstatt zu ermöglichen.

Die Teilnehmer diskutierten, wie man die Senioren zu mehr eigener Mobilität motivieren könne. Als Hauptproblem bleibe jedoch der künftig steigende Finanzbedarf, um die speziellen Betreuungsanforderungen abdecken zu können. Dazu gehöre, die Arbeit des Fachpersonals auch gesellschaftlich mehr anzuerkennen. Hilfreich sei auch der Einsatz von langjährig bewährten Hilfskräften in der praktischen Arbeit.

Bei dem Treffen konnten sich die Teilnehmer vom Erfolg einer neuen Einrichtung im Haus überzeugen - dem Senioren-Café. Hier wird in größeren Abständen ein gemütliches Treffen aller Hausbewohner ermöglicht.