Umweltskandal in Halberstadt. Mitten in der Stadt ist am Dienstag eine illegale ölverseuchte Mülldeponie entdeckt worden (Volksstimme berichtete). Am Donnerstag haben die schwierigen Aufräum- und Entsorgungsarbeiten begonnen.

Halberstadt l Zum Feuerwehreinsatz ist am Donnerstagvormittag eine Spezialfirma in Halberstadt angerückt. Im Auftrag des Landkreises Harz wird die am Dienstag entdeckte illegale Müllkippe zwischen der Bergstraße und der OdF-Straße beräumt. Die Arbeiten sind schwierig und kostspielig.

Der Besitzer eines in der OdF-Straße ansässigen Autohauses gewährt über sein Betriebsgelände den Zugang zum Tümpel, der sich in einer schwerzugänglichen Senke befindet. "Dafür gebührt ihm großer Dank", lobt Torsten Sinnecker, Leiter des Umweltamtes des Landkreises Harz.

Bauchtief waten die Mitarbeiter der Firma Manfred Brandt aus Osterode am Harz in ihren wasserdichten Hosen in der schwarzen Brühe eines Tümpels unterhalb einer ehemaligen Baustoffdeponie - ein Gemisch aus Wasser und Altöl. Auf der Oberfläche schwimmen alte Kanister, Kraftstofftanks und Plastiktonnen. Die beiden Männer ertasten weiteren illegal entsorgten Müll am Grund des Tümpels und ziehen ihn unter Mühen aus dem Wasser: zahlreiche Ölfässer, die der Rost bereits angefressen hat, Elektrokabel, Einkaufswagen, eine Schubkarre, ein Plüschtier und immer wieder Schrott - über alles zieht sich eine stinkende schwarze Ölschicht. Die spritzt ein weiterer Mitarbeiter der Firma mit einem Hochdruckreiniger noch vor Ort ab. "Das ist nur eine Vorreinigung. Auf unserem Firmengelände wird alles noch einmal behandelt und dann entsorgt", berichtet Manfred Brandt.

"Nach einer ersten Schätzung kosten die Entsorgungsarbeiten etwa 10 000 Euro."

Torsten Sinnecker, Leiter Umweltamt des Landkreises Harz

Kurze Zeit später fährt ein Spezialfahrzeug vor und pumpt das Wasser-Öl-Gemisch und den kontaminierten Schlamm ab. "Der Dreck wird verbrannt", erzählt Manfred Brandt. Anschließend soll mit dem Einbau einer Drainagekies-Schicht die natürliche Versickerung wieder gewährleistet sein, so Brandt. Der Schlamm habe bislang verhindert, dass das Oberflächenwasser versickern kann. Dadurch habe sich der Tümpel gebildet, in dem von Unbekannten der Müll und Altöl illegal entsorgt worden waren. Die Fachleute schließen derzeit aus, dass das Öl aus der oberhalb der Kippe gelegenen ehemaligen Baustoffdeponie stammen könnte.

Ein Bürger hat die illegale Mülldeponie ans Tageslicht gebracht und das Umweltamt des Landkreises alarmiert. Bereits am Montag war ein Spezialist der Polizei vor Ort, um dort eine Wasserprobe zu entnehmen. Ein Ergebnis steht noch aus. Die Ordnungshüter ermitteln wegen Gewässerverunreinigung.

Völlig offen ist derzeit, wer die Kosten für die Beräumung und Entsorgung übernimmt. Erst einmal muss die Kreisverwaltung in Vorleistung gehen. "Nach einer ersten Schätzung kosten die Entsorgungsarbeiten etwa 10 000 Euro", bestätigt Torsten Sinnecker auf Volksstimme-Nachfrage. Die Spur des Eigentümers der ehemaligen Baustoffdeponie führt nach Indien.

Bilder