Halberstadt l Es klingt bitter und ist mit einer gehörigen Portion Sarkasmus gewürzt, dieser Tage aber leider in Halberstadt die Realität: Nach dem Rohrbruch ist vor der nächsten Leckage. Oder besser: Katastrophe. Als Kämpfer gegen mittlere Katastrophen wähnen sich zumindest die Mitarbeiter von Stadtwerken und Tiefbaufirmen sowie Feuerwehrleute. Kaum hatten sie in der Nacht zum Mittwoch gegen 2 Uhr mit vereinten Kräften die lecke Hauptleitung in der Klusstraße mühsam geflickt und langsam wieder Druck auf die Leitung gegeben, knallte nicht allzuweit davon entfernt der nächste Absperr-Schieber. Die neuerliche Havarie am Kreuzungsbereich Klusstraße/Otto-Spielmann-Straße läutete am Mittwoch gegen 5 Uhr den nächsten Großeinsatz mit Tiefbauarbeiten sowie reichlich Schlamm und Dreck ein. Und schon zu diesem Zeitpunkt war ein Ende nicht absehbar.

"Diesmal sind rund 20 Haushalte betroffen", sagte Stadtwerke-Sprecher Frank Neumann am Mittwochvormittag. Hinzu komme mit den Halberstädter Möbelwerken in der Spielmann-Straße auch noch ein Großabnehmer. "Da wir nicht wissen, was uns gut zwei Meter tief in der Erde erwartet und wie lange die Schieberreparatur dauert, haben wir von der Feuerwehr gleich wieder eine Notwasserversorgung aufbauen lassen", so Neumann.

"Alles in allem haben wir im Bereich Klusstraße gegenwärtig auf rund 800 Meter Länge spezielle Trinkwasserschläuche verlegt", bestätigt Jörg Kelle von der Feuerwehr. Neben dem 350 Meter langen Bypass, der schon am Dienstagnachmittag im Abschnitt Klusstraße/Feuerbachstraße verlegt worden war, sei am frühen Mittwochmorgen im Abschnitt Spielmann- und Oststraße eine weitere Notversorgung aufgebaut worden.

"Wir haben für solche Notfälle 1000 Meter an speziellen Trinkwasserschläuchen griffbereit im Keller liegen", sagt Kelle. Mit diesen Spezialschläuchen könne über Hydrantenanschlüsse Wasser aus intakten Pipelines in trockene Leitungsabschnitte gepumpt werden, um auch dort die Abnehmer mit Trinkwasser zu beliefern. Ein gängiges Verfahren, mit dem ab Dienstagnachmittag gut 30 Kunden in einem Häuserblock in der Klusstraße/Ecke Praetoriusstraße versorgt wurden, weil nicht abzusehen war, wie lange die Reparatur an der 500 Millimeter starken Hauptversorgungsleitung für das Stadtzentrum dauern würden.

Dort musste nach dem Freilegen der gusseisernen Leitung, die aus dem Jahr 1912 stammt, in den Nachtstunden ein fünf Meter langes Segment herausgeschnitten und ersetzt werden. "Diese Arbeiten waren samt Abdichten und Muffensetzen gegen 2 Uhr nachts geschafft", berichtet Lutz Ilgenstein von der Hecklinger Tiefbaufirma ABG. Keine drei Stunden später "knallte" es an der Einmündung in die Spielmann-Straße.

Dort waren die Reparaturarbeiten am Mittwochnachmittag noch in vollem Gange. "Eine Prognose, wann wir hier fertig sind, ist unmöglich", so Neumann. "Und wir hoffen, dass uns danach nicht die nächste böse Überraschung erwartet."

Weniger erfreuliche Überraschungen habe es im Tagesverlauf gegeben: Mehrere Notschläuche wurden trotz Überfahrbrücken von Autos und Lkw beschädigt. "Wir würden uns freuen, wenn die Fahrer etwas achtsamer wären", so der Appell des Stadtwerkesprechers. Die Klusstraße bleibe zwischen Otto-Spielmann- und Rudolf-Diesel-Straße bis auf weiteres voll gesperrt. Der Straßenbahnverkehr ist nicht betroffen.