Ehrerbietungen für das Orchester, Blumen für Nachwuchstalente und viel Applaus kennzeichnen das Festkonzert für die 25. Orchesterwerkstatt Junger Komponisten. Am Ende wurden drei Preise an zwei junge Komponisten vergeben.

Halberstadt l Böse Zungen würden die Musik vielleicht mit den Lauten zahnschmerzgeplagter Katzen vergleichen. Oder von Gefiedel sprechen. Egal, spannend ist es allemal, neuer Musik zuzuhören.

Hans Rotmann, aus den Niederlanden stammender Intendant des Impuls-Festivals für Neue Musik, berichtete, dass es oft eine Frage der Zeit ist, bis sich Zuhörer an neue Töne, an eine neue Art der Musik gewöhnen. Aber dann diese oft "lecker finden, mehr davon" wollen. Das sei ihm selbst widerfahren - ein und dasselbe Stück, in ein und derselben Stadt habe zuerst ein "Aufhören!" erfahren, zehn Jahre später stehende Ovationen. "In der Geschichte der Musik und der Aufführung von Musik braucht es immer Risikofreude, muss man manche Dinge einfach mal machen. Das hier ist ein Labor, wo auch mal was daneben gehen kann, etwas umkippt. Aber ohne so ein Labor kann man sich als Komponist nicht an große Orchester und große Aufträge wagen. Es gehört dazu, auch mal etwas zu schreiben, was nicht geht."

Das, was zum Festkonzert an neuen Stücke zu hören war, ging allerdings nicht daneben, sondern zeugte von talentierten, mutigen und durchaus humorvollen jungen Komponisten. Sie erzählten Geschichten, schufen eindrückliche Stimmungsbilder, überraschten mit neuen Tönen und kraftvoller Dynamik.

Alle Redner würdigten das Engagement der jungen Leute, aber auch das der "Macher" dieser Werkstatt. In Deutschland einmalig, haben in Halberstadt junge Komponisten die Chance, ihre Werke von einem großen Orchester gespielt zu hören. Wobei das Lernen durchaus auf beiden Seiten stattfindet, wie Johannes Rieger, Intendant und Musikdirektor des Nordharzer Städtebundtheaters betonte.

Seit 25 Jahren öffnen Landesmusikrat, Städtebundtheater und Stadt Halberstadt nun schon für Nachwuchskomponisten das "Labor", in dem die Musikprofessoren Christoph Redel und Violeta Dinescu auch wichtige theoretische Tipps geben. Seit vier Jahren ist die Deutsche Orchesterstiftung Partner, sowohl finanziell bei der Organisation der Werkstatt als auch durch die Vergabe eines Preises. Ebenfalls jüngerer Partner des "Labors" ist das Impuls-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt.

In seiner Begrüßung erinnerte Winfried Willems, Präsident des Landesmusikrates, an die Anfänge der Werkstatt, die 1987 im Rahmen der ersten Magdeburger Musikfesttage in Stendal aus der Taufe gehoben und nach der Wende neu strukturiert wurde. Ab 1991 konnte sie - auch dank des Halberstädter Engagements - wieder ausgerichtet werden, erst zweijährlich, ab 1994 im Jahresrhythmus.

Dass die "Laborarbeit" Früchte trägt, beweisen viele junge Musiker, die in Halberstadt erste Meriten erwarben und inzwischen das Komponieren zum Beruf gemacht haben. Dass die Preisträger der 25. Werkstatt diesen Weg einschlagen, deutet sich an. Den Andreas-Werckmeister-Preis der Stadt Halberstadt und den Impuls-Preis gewann Ina Meredi Arakelian, den Preis der Orchesterstiftung Alex Vaughan.

   

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