20 Jahre Unesco-Weltkulturerbe-Status, Einweihung des sanierten Marktplatzes samt neuem Brunnen, viel Spaß in der Kinderstadt Andershausen und schließlich der Kaiserfrühling am Pfingstwochenende - in Quedlinburg jagt dieser Tage ein Höhepunkt den anderen.

Quedlinburg l Das Geschenk könnte größer und prachtvoller kaum ausfallen: Quedlinburg präsentiert sich - pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum der Verleihung des Unesco-Welterbe-Status - mit einer frisch renovierten "guten Stube". Der Marktplatz ist in den vergangenen gut anderthalb Jahren aufwändig saniert worden. Dabei wurde anstelle der in die Jahre gekommenen Betonplatten helles Granitpflaster verlegt. Dank des freundlichen Gesamteindrucks kommen die Fachwerkhäuser, die den rund 5600 Quadratmeter großen Platz und die angrenzenden Straßen säumen, nun noch besser zur Geltung.

Ein Geschenk, das die Quedlinburger zusammen mit ihren Gästen im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten eingeweiht haben. Mehrere Tage lang verwandelten sie ihren Markt, der mit rund 4,5 Millionen Euro aus dem Unesco-Welterbestätten-Programm renoviert worden war, in eine große Festmeile. Die Jubiläumsparty hatte zwei Höhepunkte: Zum einen, als Vize-Oberbürgermeister Wolfgang Scheller zusammen mit Helmut Ostermann von der Granitbau Nordhausen GmbH eine Kartusche mit Dokumenten als Erinnerung an Jubiläum und Marktsanierung vor dem Rathaus im Pflaster versenkte. Und zum anderen, als Scheller und Bildhauer Wolfgang Dreysse den neuen Marktbrunnen mit den Münzenberger Musikanten einweihten.

Mit dem Brunnen wird die Geschichte der fahrenden Musikanten vom Münzenberg bildlich erzählt. Der Überlieferung nach wurden die Kinder vom Münzenberg einst hochgehoben und hatten die Wahl, nach Münzen oder Instrumenten zu greifen. Mit ihrer kindlich-spontanen Entscheidung, berichtet Stadtsprecherin Sabine Bahß augenzwinkernd, hätten die Kinder Weichen für ihr Leben gestellt: Musiker oder doch. . .

Wolfgang Dreysse hatte in den 1970er Jahren jene Musiker nachempfunden und einzeln stehend auf dem Markt platziert. Nun nahm der Künstler die Umgestaltung der "guten Strube" seiner Heimatstadt zum Anlass, die drei Musiker zum Hauptmotiv eines Brunnens werden zu lassen. Die finanziellen Mittel für diese künstlerische Arbeit in Höhe von 31 000 Euro stellten die Mitglieder der von Ex-Volksbank-Chef Josef Dahl initiierten Bürgerstiftung für Quedlinburg bereit.

Das Unesco-Jubiläum ist dieser Tage indes nur ein Höhepunkt, den die Quedlinburger mit ihren Gästen begehen können. In dieser Woche sind Kinder wieder dazu eingeladen, den Ökogarten am Brühl in die Kinderstadt Andershausen zu verwandeln. Dort wird im wahrsten Sinne gelebt, was Sänger Herbert Grönemeyer in den 1980er Jahren musikalisch zum Thema machte: "Kinder an die Macht". Die Mädchen und Jungen entscheiden in Andershausen selbst, Erwachsene sind bestenfalls als Gäste gern gesehen. In diesem Jahr wird zum zehnten Mal in die Kinderstadt eingeladen - am morgigen Freitag steigt dort ab 10 Uhr die große Geburtstagsparty.

Apropos Party: Pfingsten drehen die Quedlinburger traditionell am Zeitrad und verwandeln ihre Stadt getreu der Historie in die Kaiserpfalz. Von Sonnabend bis Pfingstmontag findet der 17. Kaiserfrühling statt. Die Mitglieder des gleichnamigen Freundeskreises gestalten am oberen und unteren Schlossberg die Reichsversammlung von 973 nach und bitten zum Hoftag mit Kaiser Otto I. Ein guter Grund, die Festivität nebst kaiserlicher Tafel und großem Spektakel aller Akteure einfach mal persönlich zu bestaunen.

Mehr rund um den Kaiserfrühling unter: www.kaiserfruehling-quedlinburg.de

   

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