Halberstadt (dl) l Der Countdown läuft: Noch bis heute Abend, 20 Uhr, kann bei der TED-Umfrage der Volksstimme zum Fußgänger-Querungspunkt in der Kühlinger Straße per Telefon die persönliche Meinung abgegeben werden. Meinungen von Lesern waren am Freitag auch am Lesertelefon gefragt. Viele Halberstädter nutzten die Chance - entsprechend breit war das Meinungsbild gefächert.

Hannelore Festerling kannte die 89-jährige Seniorin, die Anfang Mai an dieser Stelle von einem Auto angefahren wurde und tödlich verunglückte, persönlich: "Die Clara war ganz vorsichtig und hat immer aufgepasst. Deshalb kann ich mir das alles nicht erklären", berichtet sie am Telefon. Für Hannelore Festerling steht völlig außer Frage, "dass die Ampel dort wieder hingehört". Sie sei mit ihrem Piepsignal schließlich auch eine Hilfe für Blinde und Menschen mit Sehbehinderungen gewesen.

Ähnlich klar für eine Ampel auch das Plädoyer von Nordert Schreiner. Der 65-Jährige ist gleichermaßen Autofahrer wie Fußgänger und kann sich an viele unklare Situationen an dieser Stelle erinnern. "Ich finde die Ecke kreuzgefährlich - auch wegen der Krümmung und der Glaselemente im Haltestellenbereich, die die Sicht behindern. Die Ampel muss dort wieder hin."

Hartmut Schieler hält die nach dem tragischen Unfalltod entfachte Debatte indes für überzogen. "Es gibt zu viele Ampeln in der Stadt, und viele werden von den Passanten nicht mal genutzt. An anderen wartet man wiederum sinnlos - als Autofahrer, aber auch als Fußgänger. Und spätestens um 22 Uhr braucht man in Halberstadt gar keine Ampel mehr." Ein Zebrastreifen plus Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer wäre in der Kühlinger Straße ein guter Kompromiss, ist Schieler überzeugt.

Das sieht Eberhard Mettendorf ähnlich: "Man hätte anstelle der Ampel dort einfach einen Zebrastreifen machen können", sagt der 74-Jährige. Zudem hält er in Höhe der Rathauspassagen generell Tempo 30 für angebracht.

Friedgardt Schneider ist Radfahrerin und fast täglich hier unterwegs. "Wenn jeder Rücksicht nimmt, funktioniert das auch so, ohne Ampel." Auch sie hält einen Zebrastreifen für einen guten Kompromiss. Doch schon jetzt würden viele Autofahrer freiwillig anhalten. Ihre Meinung: "Es geht hier um Rücksichtnahme."

Immer wieder plädieren Anrufer am Freitag für einen Zebrastreifen. Dies aber ist aus Sicht der Polizei nicht möglich, weil hier auch eine Straßenbahn mit im Spiel ist. Ein Argument, das Karl Bauer nicht überzeugt: "Wir reden hier von zwei verschiedenen Richtungsfahrbahnen, die mit Borden von der Haltestellen-Insel der Straßenbahn abgetrennt sind. Folglich bedarf es zwei getrennter Fußgängerüberwege, ohne den Bereich der Straßenbahn zu tangieren. Das muss doch möglich sein."