Pfingsten ist in Schauen alljährlich Schützenfest. Das war schon 1927 bei der ersten Auflage so. Viel Tradition fließt in die Feierlichkeiten ein.

Schauen l Eine grüne Schützenuniform ist in der Schauener Schützengesellschaft die Ausnahme. Mit schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzem Zylinder sind die Herren gekleidet. Bei diesem außergewöhnlich heißen Festwochenende noch eine angenehm leichte Kluft. "Die Kleidung ist eine Urtradition", berichtete Schützenhauptmann Frank Dorn. "Weil die Sachen früher jeder zu Hause hatte."

Was die Tradition betrifft, ist Sven Prygodda auf dem besten Weg, sich in die Schauener Geschichtsbücher einzutragen. Er wurde bereits zum dritten Mal Schützenkönig, was in den 87 Vereinsjahren bisher nur sehr wenigen gelang. Eine Überraschung war das nicht, denn Prygodda gehört auch zu den aktiven Schauener Sportschützen beim Harzpokal, die dort immer öfter vordere Platzierungen erreichen. Das Letzte des diesjährigen Harzpokalschießens hatte Sven Prygodda sogar gewonnen.

Was ihn als Schützenkönig erwartet, ist somit keine Überraschung. Schnell wurde noch alles für den Umtrunk mit den Umzugsteilnehmern vorbereitet. Nächstes Frühjahr werden König und Königin nochmal beim Schützenball gefordert, einschließlich Tanzeinlage. Tanzpartnerin ist dann Nadine Fischer, die erstmals Schützenkönigin wurde. Die daraus resultierenden Verpflichtungen sind für sie aber auch nicht neu. "Eltern und Bruder waren schon mal Schützenkönige."

Stolz nahmen die neuen Majestäten die Königsketten um den Hals. Die Herrenkette ist besonders schwer, seit 1956 hat jeder Schützenkönig seine persönliche Plakette zugefügt.

Könige gibt es noch mehr in Schauen. Als Klotzkönig wird der schlechteste Schütze ausgezeichnet. Mit nur fünf Ringen aus drei Schüssen gelang das Kevin Borchers. "Das war keine Absicht", betonte er. Auch Frank Dorn bestätigte, dass sich in der Aufregung schneller als einem lieb ist ein Schuss lösen könne. Volksjugendkönigin wurde Lisa Gawantka. Der Schnapskönig indes ist ein noch junger Wettbewerb, bei dem mit der Zwille geschossen wird. Marc Marchlewsky bekam für den Titel eine Kette mit Zielwasserfläschchen. Aber noch wichtiger war ihm wohl, dass er damit als einziger der rund 70 Schützen das Recht erworben hatte, beim Schützenfest Narrenfreiheit zu besitzen und damit keinerlei Strafzahlung an Spieß Ralph Schreinert berappen zu müssen. Wie ansonsten fast alle, wenn in den Umzügen geredet, im falschen Schritt oder gar einem falschen Bekleidungsstück teilgenommen wird. "Es ist halt ein Spaß", berichtete Vereinsvorsitzender Matthias Bindseil. Besonders beim Umzug am Pfingstmontag, wenn sich vor allem die Frauen verkleiden. Diesmal zum Thema Märchen. Schön anzusehen, aber eben gegen die Vereinsordnung.

Die Strafzahlungen gehen natürlich in die Vereinskasse. "Wir wollen am Schützenzelt weiterarbeiten", berichteten Bindseil und Dorn. Das Zelt genannte Objekt ist ein Saal aus Holz, erbaut 1927. Vor allem das Fassadenholz sowie ein Teil des Daches müssen saniert werden. Außerdem soll der neue Schießstand außen noch verputzt werden. "Wir machen Jahr für Jahr etwas."

Auf dem neuen Schießstand haben die Schauener nun beste Trainingsmöglichkeiten. Matthias Bindseil freute sich, dass bei den Kreismeisterschaften seine Frau Agnes Zweite geworden ist. Beim Harzpokal kamen in der Gesamtwertung Schauener Mannschaften auf die Ränge fünf und sechs unter 44 Teams. Und in verschiedenen Einzelwertungen wurden Agnes Bindseil dritte, Marie-Luise Henkel vierte und Sebastian Schreinert fünfter.

Mit 34 Männern, 20 Frauen und fünf Jugendlichen war das Königsschießen gut frequentiert. Die Jugend wieder zu aktivieren, das sieht der Vereinsvorstand weiter als Ziel an. Frank Dorn spricht von der neuen Generation, oft den Kindern der alten Schützen.

In Partnerschaft mit dem Schützenfest fand in Sichtweite ein Westernreitturnier statt, sodass Publikum und Teilnehmer immer mal hin- und herwanderten. Auch die Siegerehrung war ins Schützenfest eingebunden.

Zu den kulturellen Höhepunkten gehörte derweil der Auftritt der Schauener Gesangsbrüder Concordia, benannt nach einem vor über hundert Jahren gegründeten Chor. Er besteht aus 13 jungen Männern des Dorfes, die seit vorigem Jahr einmal die Woche zusammen singen. Danny Lüttgau organisiert die Truppe. "Wir haben keinen Chorleiter, würden uns aber einen wünschen", berichtete Frank Dorn, der auch zu den Sängern gehört. Bei Familienfeiern treten sie auf - und nun eben zum zweiten Mal beim Schützenfest.