Cowboys bevölkerten über Pfingsten Schauen. Das Dorf sah erstmals ein Western-Reitturnier. Eines von fünf Cup-Turnieren in Deutschland, deren Ergebnisse auch in Amerika, dem Mutterland dieser Sportart, für eine Rangliste registriert werden.

Schauen l Ein wenig erinnert die Szenerie an alte Westernfilme. Hitze, Sand. Eine Gruppe Cowboys müht sich mit ihren Pferden, aus einer Rinderherde ein einzelnes Tier abzutrennen. Ohne Lasso, nur durch die Arbeit mit dem Pferd.

"Cutten" sagen die Reitsportler zu dieser einen von fünf Disziplinen des Vielseitigkeitsturniers. Wenn ein junges Rind Geschwindigkeit aufnimmt, um ein Schlupfloch am Cowboy vorbei zurück zur Herde zu finden, zeigt sich die Dramatik dieser Reitsportart. Wobei die Pferde dabei die Ruhe selbst sind. Das wiederum liegt wohl an der Mentalität dieser speziellen Rasse American Quarter Horse. Man sagt ihnen nach, sie würden mit einem Lächeln arbeiten.

"Das ist eine komplett andere Reiterei. Die Bewegungen sind natürlicher, viel sensibler. Wir arbeiten viel mit der Mentalität des Pferdes", erklärt Turnierorganisator Martin Schemuth. Seit 2001 wohnt er in Schauen und führt zusammen mit Ehefrau Doris einen Reiterhof. Zum Westernreiten aber kamen sie erst 2007. Mittlerweile besitzen sie neun Pferde und züchten selbst. Training mit den Pferden ist nahezu täglich. Neuerdings hat sich auch Tochter Nadine Rosenthal diesem Turniersport verschrieben. Sie gewann im Heimatort die Wertung der sogenannten Einsteigerklasse.

"Unter uns herrscht der Sportsgeist. Wir sehen uns als eine Gemeinschaft an", beschreibt Schemuth die Westernreiter. Auf rund 50 000 schätzt er deren Zahl in Deutschland. In diesem ganz speziellen Vielseitigkeitsreiten, dem Ranchhorse Versatility, aber nur auf etwa 50 - dafür aber mit internationalen Lorbeeren geehrt. So konnten die Schauener und Gäste unter den 17Aktiven André Weber erleben, den Vizeweltmeister von 2013. Es war also keine Überraschung, dass er das Turnier in der Open- und der Amateurwertung gewann. Nicht verkannt sei, dass die Gastgeber Doris und Martin Schemuth selbst Europameister sind. So rangierte Doris Schemuth in der Schauener Gesamtwertung gleich hinter Weber.

Dass Schemuths einen Namen in der Szene besitzen, mag befördert haben, dass Schauen solch` ein Turnier sehen durfte. Ansonsten sind Turniere wie Spitzen-Reiter eher in Süddeutschland beheimatet. So freuen sich die Gastgeber, dass die Reiter mit ihren Pferden weite Wege in den Norden auf sich nahmen. Den längsten Weg hatte der Vizeweltmeister aus dem nördlichen Schwarzwald. Aber Freude herrscht auch, dass der Westernreitsport in der Umgebung Fuß fasst und mehrere Teilnehmer aus der Region begrüßt werden konnten. Neun Einsteiger waren dabei. Darunter Viola Fabian aus Schauen, die in der Einsteigerklasse Dritte wurde, und Ulrike Wiegel aus Stapelburg als Fünfte.

Zuschauer aus Schauen und Umgebung fanden Interesse an der zweitägigen Veranstaltung. Der von Familie Schemuth mit speziellen Bodenaufbau und stabiler Einzäunung errichtete Reitplatz liegt gleich neben Freibad und Sportplatz. In Sichtweite der Wahrberg, auf dem die Schauener zur selben Zeit ihr Schützenfest feierten. Reiter und Schützenverein warben gegenseitig für sich, so dass beide vom Publikum profitierten.

Die Zusammenarbeit hatten sie langfristig abgesprochen. Die Siegerehrung der Reiter wurde so mit ins Abendprogramm des Schützenfestes integriert. Bis zum nächsten Morgen wurde zusammen gefeiert, was auf anderen Turnieren so nicht der Fall ist.

"Die Veranstaltung hat unsere Erwartungen übertroffen", zieht Martin Schemuth ein Fazit. "Auch das Feedback und die Resonanz, sowohl von den Reitern als auch den Einheimischen und Besuchern, waren sehr gut."

Für die Gastgeber war es auch wichtig, dass die Reiter mit den Platzbedingungen zufrieden waren. Den Reitplatz wollen sie nicht nur fürs eigene Training sowie Turniere nutzen, sondern bei Bedarf für Lehrgänge bereitstellen. Einen ersten hat es Ende Mai schon gegeben.

Nach der gelungenen Premiere wird in Schauen eine Fortsetzung angestrebt. Mut machte auch der Halberstädter Alfred Konrad mit seiner Turniereinschätzung: "Es war gut organisiert, die Anlage war sehr schön und sauber, und alle Reiter waren gut gelaunt. Ich denke, dass in den folgenden Jahren die Veranstaltung von noch mehr Zuschauern besucht werden wird."

 

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