Blankenburg/Timmenrode l Um 7.50 Uhr ging der Notruf in der Rettungsleitstelle ein. Augenzeugen berichteten, dass Minuten zuvor ein Kranwagen kurz hinter dem Blankenburger Ortsausgang eine etwa acht Meter tiefe Böschung herabgestürzt und auf einem Acker zum Liegen gekommen sei. Sofort eilten Notärzte sowie Rettungskräfte der Feuerwehr Blankenburg, Polizeibeamte aus Halberstadt und Wernigerode, Mitarbeiter der Wernigeröder Straßenmeisterei und Helfer des Technischen Hilfswerks aus Quedlinburg an die Unglücksstelle. Dort bot sich ihnen ein Bild des Schreckens. Der tonnenschwere Kran hatte den 56 Jahre alten Fahrer unter sich begraben. Rettungssanitäter und Notarzt konnten nichts mehr für den Dardesheimer tun. Er starb noch an der Unfallstelle.

Nachdem die Polizei zunächst rätselte, wie es zu dem schweren Unglück kommen konnte, sorgten wenig später Zeugen, die hinter dem Kran gefahren waren, für erste Klarheit. "Wir gehen davon aus, dass sich das Kranauto in jener leichten Rechtskurve kurz hinter dem Blankenburger Ortsausgang aufgeschaukelt hat", so Polizeisprecher Peter Pogunke. Zu diesem Zeitpunkt soll der Fahrer laut Zeugen auf der abschüssigen Straße bereits mit 60 bis 70 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen - erlaubt sei derartigen Kranfahrzeugen auf solchen Straßen maximal Tempo 60. Zum Zeitpunkt des Aufschaukelns hätten die Stopplichter noch nicht gebrannt. Womöglich sei der Mann zu schnell in die Kurve gegangen und habe dies zu spät bemerkt, so dass er nicht mehr habe reagieren können, skizzierte Pogunke eine denkbare Unfallursache.

Die Folgen jenes Fehlers waren anschließend nicht mehr zu korrigieren. Der Fahrer bremste zwar noch etwas ab, rutschte aber, wie nachfolgende Autofahrer berichteten, mit den rechten Rädern an der Asphaltkante ab und driftete immer weiter in Richtung Böschung. Besonders tragisch: Als der 56-jährige Mann bemerkte, dass er das Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle bekommt, habe er wahrscheinlich noch versucht, seine Kabine zu verlassen und wurde dabei vom rund sechs Tonnen schweren Kran überrollt.

"Wir können aller Wahrscheinlichkeit nach ausschließen, dass ein Fremdverschulden an dem Unfall vorliegt", erklärte Axel Oberländer als leitender Einsatzbeamter vor Ort. Zeugen hätten bestätigt, dass es weder ein riskantes Überholmanöver noch ein bedrängendes Fahrzeug im Gegenverkehr gegeben habe. Ob möglicherweise ein technisches Problem vorgelegen habe oder beim Fahrer ein Gesundheitsproblem bestand, soll nun ein Gutachter aus Magdeburg klären.

Zwei schwere Kräne begannen am späten Nachmittag mit der Bergung des 45-Tonnen-Krans. Eine für die Kranführer besonders schwierige Aufgabe und gewiss alles andere als einfach: Der Unglücksfahrer gehörte zu ihrer Halberstädter Firma.

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