An einem in Halberstadt wohl bislang einzigartigen Projekt wird in der Halberstädter Würstchen- und Konservenvertriebs GmbH gearbeitet. Dort wird ein "Unternehmensmuseum" aufgebaut. Im März soll schon die Eröffnung gefeiert werden.

Halberstadt. Würstchen im Museum? Naja, ist wohl eine Haltbarkeitsfrage. Aber die hat im Fall der Halberstädter Würstchen- und Konservenvertriebs GmbH Firmengründer Friedrich Heine als Erfinder der Dosenwurst bereits 1896 geklärt. Die Geschichte des Traditionsunternehmens – 127 Jahre Halberstädter Würstchen – soll ein Informationszentrum auf dem Firmengelände zwischen Großer Ringstraße und Kehrstraße künftig erzählen. Es soll seine Besucher mitnehmen auf eine bewegende Zeitreise, beginnend 1883 bis in die Gegenwart.

"127 Jahre Firmengeschichte sollen im Infocenter anschaulich und lebendig erzählt werden."

Mit dem Aufbau dieses "Unternehmensmuseums" hat Seniorchef Ulrich Nitsch den ehemaligen Marketingchef der Firma, Karlheinz Krone, beauftragt. Krone, der selbst ein Stück Firmengeschichte verkörpert, immerhin hat er über 20 Jahre im Dienst der Halberstädter Würstchen gestanden, bevor er in den Ruhestand ging. Wobei es der Halberstädter mit der Ruhe nicht ganz so ernst nimmt und immer noch für die Firma brennt. Aus diesem Grund musste er auch nicht lange überlegen und nahm das Angebot gern an.

"127 Jahre Firmengeschichte sollen im Infocenter anschaulich und lebendig erzählt werden. Auf 14 Infotafeln, in Vitrinen und ein Film gehören auch dazu", berichtet Karlheinz Krone. Etwa 15 000 Besucher interessieren sich jedes Jahr für die eindrucksvolle und abwechslungsreiche Firmengeschichte. Denen soll auch etwas geboten werden. Seit Monaten arbeitet Krone am Aufbau des Info-Zentrums, das in die Räume der ehemaligen betriebseigenen Tischlerei einzieht. Ein großer, heller und attraktiv gestalteter Raum, der mittlerweile mit einer Werkstatt nichts mehr gemein hat.

Zu den Exponaten werden unter anderem eine alte Würstchenspritze sowie Dosen-, Verschluss- und Etikettiermaschinen gehören. "Das Städtische Museum hilft uns ebenfalls mit seinem reichen Fundus", so Karlheinz Krone. In Vitrinen sind bereits zahlreiche Medaillen und Urkunden zu sehen, die die Halberstädter zu DDR-Zeiten und auch seit der Privatisierung Anfang der 1990er Jahre für die hohe Qualität ihrer Produkte erhalten haben.

Krone ist aber immer noch auf der Suche nach Exponaten, um die Sammlung zu komplettieren. "Ich suche unter anderem den Karl-Marx-Orden, den das Unternehmen 1972 erhalten hat. Er ist spurlos verschwunden. Oder ein lebensgroßes Gemälde, das der bekannte Halberstädter Maler Gemm gemalt hat. Es zeigt eine Mitarbeiterin mit einem Würstchenwagen. Man nannte das Bild ¿Tussi‘, so der Spitzname der Frau. Lange Zeit hing das Gemälde in der Kantine, dann verliert sich die Spur." Den Orden will Karlheinz Krone zur Not bei einem Internet-Versteigerer kaufen, als Ersatz. Das Gemm-Gemälde ist unersetzbar. Und weil die Preise für echte "Gemms" in den vergangenen Jahren in die Höhe geschnellt sind, ist die Aussicht, es zurückzubekommen, wohl eher gering.

Trotzdem ist Krone weiter auf der Suche nach kleinen und großen Schätzen sowie interessanten Gegenständen aus der Geschichte der Halberstädter Firma. Wer bereit ist, der Halberstädter Würstchenfabrik seine Gegenstände aus der Halberstädter Würstchengeschichte zu überlassen, kann sich unter Telefon (0 39 41) 3 10 melden und Karlheinz Krone wird sich dann mit den "Spendern" in Verbindung setzen.