Hinter der Stadt- und Schulbibliothek Osterwieck liegt ein gutes Jahr. 2010 wurde sie 90 Jahre alt. Sie konnte ihren Bestand mit viel aktueller Literatur auffrischen, was die Leserschaft mit ihrer Treue honorierte.

Osterwieck. 1808 Personen liehen sich im vergangenen Jahr in der Bibliothek, die sich in den Räumen des Fallstein-Gymnasiums befindet, Bücher oder andere Medien aus. Das lag im guten Durchschnitt der vergangenen Jahre. Zwei Drittel davon waren Erwachsene. Leiterin Kathrin Mannewitz freute sich, dass die Altersgruppe der unter 13-Jährigen stark zunahm. Die Zahl von 416 Lesern dieser Altersgruppe bedeutete im Vergleich zu früheren Jahren fast eine Verdopplung.

Dieser Altersgruppe widmet sich Kathrin Mannewitz besonders. Die Osterwiecker Hortkinder sind Stammgäste in der Bibliothek. Es gibt Lesungen mit anschließendem Schmökern in Bücherkisten. Zu Beginn jedes neuen Schuljahres erhalten die Fünftklässler des Gymnasiums eine Einweisung, und viele von ihnen melden sich an. Denn die Bibliothek ist ausdrücklich auch eine Schulbibliothek und erhält über den Schulträger finanzielle Mittel, um Fachbücher einzukaufen. Für Kinder gibt es übrigens jetzt eine Kuschel-Leseecke. Ermöglicht wurde deren Anschaffung durch die Spenden der drei in Osterwieck tätigen Banken.

Erstmals zu Gast waren die Bewohner aus der Behinderteneinrichtung Oehrenfeld. Sie kamen gleich zweimal.

Kathrin Mannewitz stellt bei neuen Besuchern immer wieder deren Überraschung fest, wenn die erfahren, wie aktuell der Buchbestand ist. Renner bei den Kindern sind zum Beispiel die Themen Fantasie und Vampire. Ein neues Buch aus der beliebten Panem-Serie erschien erst kürzlich auf dem Markt. Am Erscheinungstag war es auch in Osterwieck – und wurde sofort ausgeliehen.

Auch Bestseller der Erwachsenen-Literatur sind im Bestand. Zum Beispiel die Millennium-Trilogie von Stieg Larsson, Bücher von Peter James, Tommy Jaud, Kerstin Gier, Thilo Sarrazin, Natascha Kampusch oder Eckart von Hirschhausen. Kathrin Mannewitz hat engen Kontakt zur Leserschaft. "Daher weiß ich, was gelesen wird."

Um auf aktuellem Stand zu sein, fährt die Leiterin alljährlich auf die Leipziger Buchmesse, spricht mit Verlegern und Autoren. Vergangenes Jahr konnte sie Volksstimme-Chefreporter Bernd Kaufholz gewinnen, der zum Bibliotheksgeburtstag eine spannende Buchlesung über Kriminalfälle aus Sachsen-Anhalt hielt.

Mit Karin von Kloeden hatte Kathrin Mannewitz für einige Wochen eine Praktikantin zur Unterstützung. Sie stieß im Internet auf das Verkaufsangebot für den "Führer durch die Volksbücherei zu Osterwieck" aus dem Gründungsjahr 1920, gedruckt bei Zickfeldt in Osterwieck. Heute ist das Exemplar, das seinerzeit der Initiator der Bibliothek, der Mittelschullehrer Schulze, für die Bürger der Stadt schrieb, wieder in der Ilsestadt.

Zu Gast in der Bibliothek war im Sommer Beate Weberling, die Vorsitzende des Bibliotheksverbandes Sachsen- Anhalt. "Seitdem bekommen wir für jeweils ein Vierteljahr leihweise 100 DVDs". Spielfilme, Dokumentarfilme und Kinderfilme sind dabei. Diese können aber nur für eine Woche ausgeliehen werden.

Zum Bestand der Bibliothek gehören nun knapp 19 000 Bücher. Die Hälfte davon ist Fachliteratur, gefolgt von 5600 Romanen und 2900 Kinderbüchern. Auch Zeitschriften und Spiele können hier ausgeliehen werden – übrigens seit Jahr und Tag kostenfrei. Insgesamt wurden vergangenes Jahr 42 273 Bücher und andere Medien entliehen.

Fürs neue Jahr hat die Bibliothek 1600 Euro von der Schule für neue Fachbücher zur Verfügung. 4000 Euro wurden bei der Stadt beantragt, deren Haushalt ist aber noch nicht beschlossen. Vergangenes Jahr wurden immerhin 920 Bücher in den Bestand aufgenommen, aber auch 760 Medien ausgesondert. Dazu gehörten 2010 vor allem alte Schallplatten und Kassetten. Mitunter gibt es auch Buchspenden von Lesern. Dafür ist Kathrin Mannewitz dankbar. Ein besonderes Auge hat sie auf aktuelle Bücher sowie Literatur über Osterwieck und die Region.

Nächste Woche wird der Sozialausschuss des Stadtrates in der Bibliothek tagen. Anlass dafür ist auch das neue Computerprogramm, mit dem die Bibliothek den Buchbestand verwalten möchte. Die Technik ist da, jetzt geht es um die Frage, in welchem Umfang das Programm gekauft werden soll. Im Idealfall könnten sich damit Leser künftig von zu Hause aus übers Internet informieren, ob ein Buch auszuleihen ist.

Mit dem Programm könnten auch die guten alten Karteikarten aufs Altenteil. Kathrin Mannewitz hat in mehrjähriger Arbeit den Buchbestand im Computer erfasst. "Ich wünsche mir für die Bibliothek, den fachlich und qualitativ guten Weg weiterzugehen", sagte sie.

Der Leser-Nachwuchs aus Kitas, Hort und Schulen soll natürlich weiterhin nach Kräften unterstützt werden. Auf Wunsch wird die Leiterin (und zugleich einzige Mitarbeiterin) weiterhin Bibliothekseinführungen und Buchlesungen organisieren.