Viele Kommunen in Deutschland leiden unter akuter Geldnot. In Osterwieck ist das nicht anders, die Stadt steckt mitten in der Haushaltskonsolidierung. Die Folgen bestimmten die konstituierende Ortschaftsratssitzung im Ortsteil Wülperode.

Wülperode l In der langen Reihe der konstituierenden Sitzungen von Ortschaftsräten stand am Donnerstag die erste Tagung in Wülperode auf dem Plan. Anders als in vielen anderen Osterwiecker Ortsteilen stand die Wahl eines Ortsbürgermeister nicht auf der Tagesordnung. Amtsinhaber Dirk Heinemann (SPD) gehört noch zu den direkt gewählten Ortschefs, deren Amtszeit sich mit der Legislaturperiode des Ortschaftsrats überschneidet.

Durch den Wegfall der Wahl - gewählt wurden lediglich zwei Stellvertreter für den Bürgermeister, Bettina Grünewald und Frank-Andreas Klein - blieb mehr Zeit für die Debatte über die Probleme in Wülperode und deren Lösung.

Vor allem die Grünpflege im Ort bestimmte die erste Sitzung des Ortschaftsrates. In Göddeckenrode steht ein Dorffest an, doch die Grünflächen verwildern. Mitarbeiter des Osterwiecker Bauhofs sollen die Fläche instandhalten. Ohnehin sei die Pflege der öffentlichen Grünflächen längst in Bürgerhand, sagt Ratsmitglied Bettina Grünewald aus Göddeckenrode. Den Ausfall der öffentlichen Hand würden viele Einwohner durch Extra-Runden mit dem privaten Rasentraktor ausgleichen.

"Wenn du selbst mähst, kommen die irgendwann gar nicht mehr."

Clemens Düfert

In Suderode sieht es ähnlich aus. Auch hier werden die Gartenpfleger nur selten gesehen, privates Engagement der Bürger sorgt für gemähten Rasen und saubere Wege. Dass sich die Stadt an die private Initiative der Suderöder gewöhnen könnte, befürchtet Ratsmitglied Clemens Düfert. "Wenn du selbst mähst, kommen die irgendwann gar nicht mehr", sagt er.

Ortsbürgermeister Dirk Heinemann kennt das Problem, verweist aber immer wieder auf die angespannte Haushaltslage der Stadt Osterwieck. Privates Engagement der Bürger hält er auch in Zukunft für unverzichtbar. "Wenn im Papierkorb bei uns drei Apfelgriebsche liegen, dann müssen deswegen nicht zwei Bauhof-Mitarbeiter und ein Auto aus Osterwieck hierherfahren", sagt er.

Zu einer der nächsten Ortschaftsratssitzungen soll nun ein Verantwortlicher vom Bauhof eingeladen werden und den Ratsmitgliedern Rede und Antwort stehen.

Um wucherndes Grün und zu wenig Geld ging es auch bei einem zweiten Thema. Am Rande Wülperodes sollte einst ein Rest Streckdrahtzaun an die innerdeutsche Grenze erinnern, die direkt hinter dem Dorf verlief. Der Zaun steht noch immer, doch er ist vor lauter Gestrüpp kaum noch zu sehen. Den Grenzzaun überwuchern zu lassen, sei damals Absicht gewesen, sagt Bürgermeister Heinemann. Die Wunde sollte langsam zuwachsen und die Natur sich das Denkmal zurückholen. Doch Heinemann und die Ratsmitglieder befürchten nun, dass durch den starken Pflanzenwuchs eines der wenigen noch verbliebenen authentischen Zeugnisse der Vergangenheit verschwinden könnte und diskutieren über Erhaltungsmöglichkeiten. Von der Unterstützung durch das Aus- und Weiterbildungszentrum bis zu Schafen, die den Bewuchs im Naturschutzgebiet kurz halten, gingen die Vorschläge. Nur größere Kosten dürften sie nicht verursachen. Anklang fand die Idee, das Denkmal von den Bürgern in Schuss halten zu lassen. Beim jährlichen Subbotnik sollen demnach die Überreste des Eisernen Vorhangs mit gepflegt werden.