Ein großes Bauvorhaben steht kurz vor der Vollendung. Das alte Magazingebäude am Ebereschenhof in Halberstadt kann voraussichtlich zu den Herbstferien seiner neuen Bestimmung übergeben werden. Das Gebäude wird vollständig barrierefrei zu nutzen sein.

Halberstadt l "Das wird unser Alleinstellungsmerkmal." Beate Grebe ist stolz. Die Augen der Geschäftsführerin der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) leuchten, wenn sie von ihrer "Lieblingsbaustelle" berichtet. Das ehemalige Magazingebäude am Ebereschenhof wird derzeit von der HaWoGe saniert und umgebaut. "Wir wussten von Anfang an, was wir aus dem Gebäude machen wollten", sagt Beate Grebe von den Plänen, ein Spiele-Magazin kurz hinter den Toren der Domstadt zu errichten. Das Gebäude wird nach seiner Fertigstellung vollständig barrierefrei zu nutzen sein und Spielmöglichkeiten für Kinder jeder Altersgruppe bieten.

Eben diese Barrierefreiheit ist das von Beate Grebe angesprochene Alleinstellungsmerkmal. Neben Zugangsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte wird es auf dem gesamten Gelände ein Leitsystem in Braille-Schrift geben. Außerdem wird in den Geburtstagszimmern speziell auf die Bedürfnisse für Kinder mit Sehbehinderung oder Hörschäden eingegangen. Ein Zimmer wird mit Braille-Schrift gestaltet, unter anderem wird dort ein Zitat vom ehemaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme das Zimmer schmücken: "Unsere Kinder sind die einzige Verbindung zur Zukunft - eine andere gibt es nicht", wird an der Wand in Blindenschrift stehen. Ein weiterer Raum wird mit Raumteilern und Säulen aus Plexiglas ausgestattet. Diese sind mit Wasser gefüllt, und das Wasser wird mit Schallwellen in Bewegung versetzt.

"Dank dieses Konzeptes werden wir für dieses Spielehaus ein Einzugsgebiet erreichen, dass weit über die Harzkreisgrenzen hinausgeht", ist sich Beate Grebe sicher. Die Voraussetzungen dafür sind zum Teil bereits geschaffen.

Die Arbeiten an der Fassade sind bereits abgeschlossen. Der Fußweg an der Florian-Geyer-Straße wurde erneuert und eine Parkfläche mit vorerst 60 Stellplätzen soll demnächst fertig gestellt sein. Der Parkplatz fügt sich dabei nahtlos in das Gesamtkonzept ein und wird ebenfalls behindertengerecht sein.

Die Bauarbeiten im Inneren des Gebäudes laufen derweil auf Hochtouren. Elektrokabel werden gezogen, Sanitärbereiche gebaut, Fahrstuhlschächte errichtet und Vorbereitungen für die Verlegung der Fußbodenheizung getroffen. "Alles läuft planmäßig", berichtet Henning Staat, der Leiter des technischen Services der HaWoGe. Die Termine für den Einbau der ersten Spielgeräte am 19. und 20. August können voraussichtlich gehalten werden.

Zuerst wird mit der Montage des riesigen Fun-Parks begonnen. Im größten Raum des Spiele-Magazins wird auf einer Länge von 27 Metern und bis zu einer Höhe von fast acht Metern eine Anlage mit Rutschen, Klettermöglichkeiten und einer Kartbahn aufgebaut. Einen Tag später sollen die Trampoline und das Rollstuhlfahrerkarussell geliefert werden.

Beate Grebe fällt zu dem Projekt nur ein Wort ein: "Monumental". Das sei der Begriff, der ihr immer in den Sinn komme. Dass es bei einem so großen Vorhaben auch zu Planänderungen komme, kann nicht überraschen. So war in einem früheren Entwurf ein Geburtstagszimmer im Prinzessinnen-Design im Erdgeschoss geplant. Aus diesem wird nun das Domschatzzimmer. "Wir wollten damit einen Bezug zu unserer Heimatstadt schaffen, den auch Kinder begreifen können", berichtet die HaWoGe-Geschäftsführerin. Darin werden die jungen Besucher vom Drachen Aquarius und Bischof Bucco auf ihrer Suche nach dem Domschatz begleitet und auf den bedeutenden Kirchenschatz aufmerksam gemacht.

Das über Wettbewerbe Gelder für das Projekt generiert werden konnten, sei für die Verantwortlichen überraschend gewesen, berichtet Beate Grebe. 80 000 Euro hat die städtische Wohnungsgesellschaft mit dem Projekt gewonnen. Dazu kommen noch einmal 300 000 Euro zusätzliches Fördergeld für den zweiten Platz beim vom Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr ausgeschriebenen Wettbewerb "Auf dem Weg zur barrierefreie Kommune".

Die Stadtverwaltung habe angeregt, mit dem Spiele-Magazin an der Ausschreibung teilzunehmen, sagt Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke). Insgesamt wurden 1,85 Millionen Euro an Fördergeld von Bund und Land für das Spiele-Magazin bereitgestellt.

Auf den Denkmalschutz wurde bei der Planung geachtet: "Wir haben immer im Kontakt mit der Denkmalschutzbehörde gestanden", berichtet Regine Feuerbach, Leiterin des Service-Centers der HaWoGe. "Dabei haben wir immer gute Kompromisse zwischen Nutzungsanspruch und erhaltenswerter Historie gefunden." So werde später nur an den Giebeln für das Spielehaus geworben, die Fassade zur Straßenfront wird originalgetreu belassen.

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