Das Vorhaben wurde schon vor acht Jahren begonnen: Die ehemalige sowjetische Radarstation auf dem Dardesheimer Druiberg soll ein Informations-, Bildungs- und Erlebniszentrum für erneuerbare Energien werden. Doch zurzeit versinken die bereits hergestellten Anlagen im Unkraut.

Dardesheim l Bevor das Festival "Rock im Mai" Ende August auf dem Dardesheimer Druiberg über die Bühne geht, werden die Vereinsmitglieder kräftig Hand anlegen und das Gelände mähen. Diese zweitägige Veranstaltung ist die einzige, die bisher auf dem Druiberg stattfinden darf. Per Sondergenehmigung, wie Ortsbürgermeister Ralf Voigt (parteilos) erklärt. Er ist von allen am wenigsten glücklich mit der Situation oben auf dem Berg. Denn er ist auch der Vorsitzende des Vereins Harz Regenerativ Druiberg, der das Gelände des Horchpostens aus der Zeit des Kalten Krieges seit 2006 vom Windpark Druiberg gepachtet hat.

Der Verein möchte mit einem Informations-, Bildungs- und Erlebniszentrum für erneuerbare Energien eigentlich den Tourismus in der Stadt Osterwieck ankurbeln. Im Jahr kommt jetzt schon eine vierstellige Anzahl Besucher nach Dardesheim, die "Stadt der erneuerbaren Energien".

Was die Entwicklung des sieben Hektar großen Geländes betrifft, hängt der Verein in der Luft. "Wir haben kein Baurecht, um die Infrastruktur zu schaffen", erklärt Ralf Voigt.

Dabei gab es zwischen 2006 und 2009 auf dem Druiberg schon eine sehr rege Bau- und auch Beratungstätigkeit. Bis zu 50 Leute arbeiteten damals, finanziert über das Arbeitsamt, vor Ort. Es entstanden eine große Windarena, ein Aussichtspunkt, ein Spielplatz und andere schöne Dinge. Schwarzbauten? "Nein", sagt Voigt, "es handelte sich um Arbeiten, für die man keine Baugenehmigung benötigt. Für flache Bruchsteinmauern oder die Windarena, die lediglich an das Geländeprofil angepasst wurde, ist das nicht notwendig." Seit fünf Jahren also liegt das Gelände quasi brach.

Die Bemühungen der Dardesheimer, Baurecht für weitergehende Vorhaben zu erlangen, reichen indes in tiefe Aue-Fallsteiner Zeiten zurück. Und Ralf Voigt spart dabei nicht mit Kritik an der früheren Aue-Fallsteiner Gemeindeverwaltung. "Hätte man den Druiberg genauso intensiv verfolgt wie Schloss Hessen oder die Wasserburg Zilly, wären wir heute schon viel weiter."

2009 schien der Bebauungsplan recht weit vorangekommen zu sein, doch dann kam Dardesheim in die Osterwiecker Einheitsgemeinde und damit eine neue Verwaltungsstruktur, was eine neuerliche Antragstellung erforderte. Seitdem hat sich auch der Osterwiecker Stadtrat ungezählte Mal mit dem Vorhaben beschäftigt, immer wenn sich neue Probleme bei der Genehmigungsbearbeitung durch die Kreisverwaltung auftaten, heilende Beschlüsse gefasst.

So ging es zum Beispiel um die Zufahrt. Von Dardesheim gibt es eine erst vor drei Jahren ausgebaute Asphaltstraße auf den Druiberg. Da aus einem Landwirtschafts-Fördertopf bezahlt, darf dort aber nicht jedermann hochfahren. Stattdessen muss offiziell ein Schotterweg von der Bundesstraße 244 aus genutzt werden. Der wiederum musste erst auf die Kommune gewidmet werden. Jetzt geht es noch um die Einmündung des Weges auf die Bundesstraße, Wegebreiten etc. - es sind immer noch Detailfragen offen. "Die Stadt wird den Bebauungsplan wohl noch einmal einreichen."

Erst dann kann es zum Beispiel mit dem Gebäude des Informationszentrums, wo Gästeführer ihren Arbeitsplatz haben und Ausstellungsräume sein sollen, weitergehen. "Jetzt haben wir dort ja nicht mal Toiletten", sagt Voigt. In einem ersten Abschnitt war die alte Fahrzeughalle gesichert worden. Für den Ausbau hatte Lotto-Toto Ende 2008 75 000 Euro zur Verfügung gestellt. Ein Teil des Betrages floss in die Sicherung der Halle, der große Rest aber konnte ohne Baurecht nicht abgerufen werden und ist damit verfallen.

"Das Vorhaben ist nicht gestorben", tritt Voigt Bedenken entgegen. Dabei könnte man das durchaus mutmaßen, wenn man die Unkrautwüste zum Beispiel auf der Windarena sieht oder manche Verwüstung von bereits installierten Anlagen. Voigt verweist darauf, dass das Gelände von vielen Leuten aufgesucht wird - zum Spazierengehen ins Grüne, leider aber auch von Vandalen. "Dieses Jahr sprießt das Unkraut besonders stark."

Der Verein hat zwei Handwerker angestellt, die sich normalerweise auch um die frühere Radarstation kümmern. Zuletzt aber seien die Männer vornehmlich im Ort eingesetzt, um dort Wege oder anderes kommunales Eigentum instand zu setzen, so den Eingang zum "Adler". Damit entlasten sie die Stadt Osterwieck, die dafür in der Regel Firmen beauftragen müsste.

"Das ist ein tolles Konzept", bleibt Ralf Voigt für den Park auf dem Druiberg zuversichtlich. Mut macht ihm auch, dass es immer wieder Anfragen zur Nutzung der Windarena gebe. Für Musik, Kunst, Kultur oder Fachveranstaltungen über erneuerbare Energien. Das bevorstehende Festival "Rock im Mai" ist dabei nur ein Mosaikstein.