Eine goldene Taube erinnert an die Proklamation der allgemeinen Menschenrechte vor 60 Jahren. Aus mehreren Gründen ist sie derzeit in der Moses-Mendelssohn-Akademie zu sehen.

Halberstadt l Jutta Dick, die Direktorin der Moses Mendelssohn Akademie, nahm am Montag eine goldene Taube mit einem Ölzweig im Schnabel entgegen. Überreicht wurde ihr die von Richard Hillinger in Bronze gegossene Skulptur von Dr. Marieanne Ebsen-Lenz, der Leiterin der Volkshochschule Landkreis Gießen. Aus Anlass des 60. Jahrestages der Proklamation der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen, am 10. Dezember 2008, hat der Landshuter Künstler 30 goldfarbene Tauben in Lebensgröße geschaffen. Jedes Exemplar steht für einen der 30 Artikel der Menschenrechte. Die Tauben "fliegen" seitdem durch die Welt - von Person zu Person, von Institution zu Institution, von Land zu Land.

Dr. Marieanne Ebsen-Lenz hat "ihre" Taube, unter Bezugnahme auf den Artikel 26 - das Recht auf Bildung - der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783- 1872) gewidmet. Der dänische Schriftsteller, Dichter, Philosoph, Historiker, Pfarrer, Pädagoge und Politiker war der Begründer der ersten europäischen Heimvolkshochschule. Heute ist Grundtvig der Namensgeber eines gleichnamigen EU-Programms, das sich der Idee des lebenslangen Lernens widmet.

Und hier schließt sich der Kreis zur Moses-Mendelssohn-Akademie. Denn "Judentum ist ununterbrochenes Lernen", unterstreicht Uri Faber in diesem Zusammenhang. Er war es auch, der Dr. Marieanne Ebsen-Lenz vorgeschlagen hatte, die Taube "Grundtvig" nach Halberstadt zu senden.

Im Rosenwinkel bestand in der Klaussynagoge das berühmte Rabbinerseminar, an dem viele Generationen von Rabbinern ausgebildet wurden. Das Lehrhaus wurde von Berend Lehmann, dem in Halberstadt ansässigen Hofjuden Augusts des Starken, errichtet. Hier sollten drei bis vier bedeutende Gelehrte auf Berend Lehmanns Kosten dem Torastudium "auf ewige Zeit" nachgehen, ruft Jutta Dick in Erinnerung.

Und es gibt noch eine Besonderheit, die für die Moses-Mendelssohn-Akademie als zeitweiligen Standort des Kunstwerkes spricht. Das Rabbinat und die jüdische Gemeinde in Halberstadt hatten bis zu ihrer Zerstörung eine Arche und eine Taube mit Ölzweig in ihrem Siegel, sagt Uri Faber. In den nächsten zehn Tagen wird die Taube in der Klaussynagoge zu sehen sein. Begleitet wird sie von einem Logbuch, das für Interessierte offen steht. Dann wird die goldfarbene Taube weiter nach Stockholm und Uppsala zu Zentren der Erwachsenenbildung "fliegen", berichtete Ebsen-Lenz.

Gleichwohl wird das Kunstwerk seine Spuren in Halberstadt hinterlassen. Einer Idee von Jutta Dick folgend, hat Richard Hillinger einen zweiten Ölzweig geschaffen, der an all den Orten verbleibt, an denen "ihre" Taube Station machte.

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