Quedlinburg/Bad Suderode l Zwölf teilweise bebaute und insgesamt 9000 Quadratmeter große Grundstücke im Quedlinburger Ortsteil Bad Suderode sind nun wieder zu haben: Die Stadtverwaltung hat in dieser Woche den zweiten Anlauf unternommen, um das Kurzentrum Bad Suderode zu veräußern. Die Liegenschaft wird in der Immobilien-Zeitung bundes- und europaweit offeriert. Damit startet die Stadt ein zweistufiges Bieterverfahren mit einem, wie Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) sagt, ambitionierten Ziel: "Ich strebe bis zum Jahresende einen neuen Verkaufsbeschluss durch den Stadtrat an."

Brecht drückt dabei aufs Tempo und setzt auf Transparenz. Nach der jetzt erfolgten Ausschreibung haben Bieter bis zum 15. September Gelegenheit, ihr grundsätzliches Interesse zu bekunden und erste Unterlagen vorzulegen. Dann soll aus diesem Kreis heraus festgelegt werden, mit welchen Anwärtern weitere Verhandlungen geführt werden. Bis Mitte November sollen diese Bieter ihre verbindlichen Angebote unterbreiten.

Die Koordination liegt in den Händen einer Leipziger Rechtsanwaltsgesellschaft. Begleitet werde das Verfahren von einem Lenkungsausschuss, in dem neben Vertretern von Verwaltung und Anwaltskanzlei auch Stadt- und Ortschaftsräte sowie externe Experten sitzen sollen, kündigt Brecht an.

Die Eile, die der Oberbürgermeister vorgibt, hat einen einfachen Grund: Nach dem geplatzten ersten Privatisierungsversuch soll das Kurzentrum so schnell wie möglich aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Die Anlage, schlechthin das Aushängeschild des Heilbad-Ortes, ist seit Juli 2013 dicht. Der erste Käufer, eine Projektentwicklungs-Gesellschaft aus Berlin, die Ende 2013 den Kaufvertrag unterzeichnete, hat großen Ankündigungen bislang keine Taten folgen lassen. Weil der Kaufpreis bis Ende Mai nicht gezahlt wurde und Bankbürgschaften nicht vorgelegt wurden, trat die Stadt vom Kaufvertrag zurück. Zugleich gaben die Stadträte grünes Licht für die Neuausschreibung.

Ob die reibungslos über die Bühne geht, bleibt abzuwarten. Die ersten Käufer legen die vertraglichen Vereinbarungen anders aus und haben angekündigt, gegen den einseitigen Rücktritt vom Kaufvertrag klagen zu wollen. Festellungsklagen seien eingereicht, hieß es am Freitag aus dem Weimarer Anwaltsbüro der Käuferseite. "Uns liegt bislang nichts vor", entgegnet OB Brecht. Er sehe einer solchen Klage überdies "extrem gelassen entgegen", so der SPD-Politiker.

Dass etwaige Klagen vermutlich noch unbearbeitet bei Gericht liegen, könnte finanzielle Gründe haben. Bevor die Justiz tätig wird, muss die Klägerseite Kostenvorschüsse leisten. Womöglich bestehen hier Liquiditätsprobleme: Gegen die Käuferseite hatte es im Frühjahr den Insolvenzantrag einer Krankenkasse gegeben.

Brecht blickt nach vorn, will nun vor allem die Wertschöpfungskette im Ortsteil Bad Suderode wieder in Gang bringen. Zudem erinnert er an den finanziellen Aspekt: Neben Altverbindlichkeiten über 16 Millionen Euro gegenüber dem Land müssten monatlich im Schnitt weitere 15 000 Euro ins geschlossene Kurzentrum investiert werden.

Mehr Informationen: www.quedlinburg.de