Halberstadt l Geht es um die Rechtsrock-Konzerte im Schwanebecker Ortsteil Nienhagen, hat Reiner Straubing eine klare Meinung: Der Sekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist gegen diese Konzerte, die Jahr für Jahr viele rechtsgesinnte Fans in den Harz locken. Straubing zeigt seit langem Flagge und engagiert sich im Bürgerbündnis "Nienhagen rechtsrockfrei". Namens dieser Initiative hat Straubing nun Kritik am Deutschen Roten Kreuz (DRK), genauer: an den Verantwortlichen des DRK-Sanitätszuges, formuliert. Mitglieder dieses Zuges hätten in der Vergangenheit die medizinische Absicherung jener Rechtsrock-Konzerte übernommen.

"Damit", so bringt es Straubing gegenüber der Volksstimme auf den Punkt, "unterstützt das DRK zumindest indirekt diese Konzerte und trägt dazu bei, dass sie stattfinden können". Für den 58-jährigen Streiter gegen rechtes Gedankengut liegen die Zusammenhänge auf der Hand: Veranstalter solcher Konzerte müssten gegenüber Behörden die medizinische Absicherung solcher Konzerte nachweisen - "finden sie dafür keine Dienstleister, müssen die Konzerte eben ausfallen".

Das DRK trage mit seinem Engagement folglich zumindest indirekt dazu bei, dass "fremdenfeindliche und menschenverachtende Musik in Nienhagen weiter gespielt werden kann", so Straubing bereits im Mai dieses Jahres in einem Brief an DRK-Zugführer Frank Hachmann. Da jenes Schreiben unbeantwortet blieb, ging Straubing jetzt an die Öffentlichkeit. "Ich möchte damit eine generelle Diskussion anstoßen", so das Mitglied der Bürgerinitiative.

Zumindest intern sei dies längst erfolgt, erklärt Frank Hachmann. Das Schreiben von Reiner Straubing sei unter den DRK-Akteuren "sehr kontrovers diskutiert" worden, so der 39-jährige Kreisbereitschaftsleiter aus Osterwieck. Letztlich hätten alle Mitglieder selbst entscheiden können, ob sie beim Rechtsrock-Konzert Ende Juni mitwirken.

Hachmann selbst erinnert an die Grundprinzipien des DRK, die aus dem Genfer Rot-Kreuz-Abkommen stammten: Neutralität, Unparteilichkeit und Freiwilligkeit. Er schlussfolgert: "Wir sind neutral und leisten einfach nur Hilfe, wenn wir gebraucht werden." Das gelte nicht zuletzt bei Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen, wo das DRK eben wegen seiner Neutralität weltweit einen guten Ruf besitze, so Hachmann. "Geht es darum, einem Verletzten zu helfen, fragen wir nicht, wer er ist, was er getan hat und wofür er steht, sondern helfen einfach."

"Das ist ja auch völlig okay - nur kann hier ja keineswegs von Notfällen und unverzüglicher Soforthilfe gesprochen werden", entgegnet Straubing. Im Gegenteil: In Nienhagen laufe das DRK letztlich Gefahr, zum Steigbügelhalter der Rechten zu werden. "Und ich sehe letztlich auch die Gefahr eines Imageverlustes für das DRK und dessen viele freiwilligen Helfer", warnt Straubing.

Eine Komponente, die Einsatzleiter Frank Hachmann nicht verhehlt, sind die finanziellen Zahlungen, die Veranstalter aller Couleur für derartige Sanitätsabsicherungen zahlen. Und: "Ein Großteil unserer Ausrüstung wird von eben diesen Einnahmen finanziert", so Hachmann.

Was der Nienhagener Veranstalter in der Vergangenheit an das DRK zahlte, ist offen. Die Verhandlungen habe DRK-Kreisgeschäftsführer Michael Funke geführt, so Frank Hachmann. Funke ist in dieser Woche urlaubsbedingt nicht erreichbar.

Hachmann selbst erinnert daran, dass das DRK längst nicht der einzige Anbieter derartiger Dienstleistungen sei. "Wenn wir es nicht machen, macht es ein anderer", so der 39-Jährige mit Blick in Richtung Nienhagen. Dort habe das DRK überdies vertraglich in der Pflicht gestanden. Und: "Der Veranstalter hatte sich im Juni doppelt abgesichert und noch einen zweiten Sanitätszug aus dem Raum Wittenberg vor Ort."

Auch Henning Rühe, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Halberstadt/Quedlinburg weist Straubings Kritik zurück und gibt sich liberal: "Die Konzerte in Nienhagen waren genehmigt, die Polizei hat die Veranstaltung abgesichert. Wo die Polizei im Einsatz ist, können auch wir agieren", so der früherer Halberstädter Landrat.

Obendrein wendet sich Rühe dagegen, Ursache und Wirkung zu verwechseln und den Akteuren vor Ort den schwarzen Peter zuzuschieben: "Die Rettungskräfte sind nicht dafür verantwortlich, dass solche Veranstaltungen stattfinden - hier sind generelle Regelungen seitens der Politik gefragt."

Gleichwohl haben die Verantwortlichen des DRK aus der offenbar massiven Kritik Konsequenzen gezogen: "Wir sind es leid, dass die Diskussion auf unserem Rücken ausgetragen wird", so Rühe. "Wir haben entscheiden, dass wir das im kommenden Jahr in Nienhagen nicht noch einmal machen werden", ergänzt Hachmann.