Passanten im Stadtzentrum fallen die neuen Farben am Wohnblock in der Heinrich-Julius-Straße auf. Dass das Quartier zugleich ein großes Kraftwerk ist, sieht man kaum. Die Wohnungsgenossenschaft setzt ihren Kurs bei der Nutzung erneuerbarer Energie fort.

Halberstadt l Auf 125 Quadratmetern wird bald die Sonne ganze Arbeit leisten. So groß ist die Fläche, die auf dem Dach des Wohnblocks "Am Franziskanerkloster" mit Sonnenkollektoren versehen wird. Die Kraft der Sonne wird hier in erster Linie Wasser erhitzen und so die Heizungsanlage des Quartiers zwischen Gerhart-Hauptmann- und Heinrich-Julius-Straße unterstützen. Laut Angaben der Wohnungsbaugenossenschaft Halberstadt (WGH) ist diese Anlage doppelt so groß wie die, die auf dem derzeit in Sanierung befindlichen Wohnblock in der Wilhelm-Trautewein-Straße installiert werden soll.

"Die Sonne ist als Energielieferant kostenlos", sagt Karl-Heinz Schönfeld, "im Gegensatz zu Fernwärme, Gas und Strom als herkömmlichen Energiequellen". Nutze man erneuerbare Energien in kleinen, dezentralen Anlagen, helfe dies nicht nur, den Kohlendioxidausstoß zu senken, sondern auch dem Geldbeutel der Genossenschafter, die in den jeweiligen Häusern wohnen. "Und wir setzen damit zugleich die Ziele der Energiewende der Bundesregierung um", sagt Karl-Heinz Schönfeld.

Wegen der aktuellen politischen Entwicklung sieht sich der Vorstand des Genossenschaftsunternehmens WGH in seiner bereits seit vielen Jahren verfolgten Politik des Wohnungsunternehmers als Energieerzeuger bestätigt. Angesichts sinkender Einwohnerzahlen und sich entvölkernder Landstriche sei es sinnvoll, Energie da zu erzeugen, wo sie auch benötigt werde, so Schönfeld. Mit seinen Erfahrungen sei er in der Immobilienbranche ein Vorreiter, viele Genossenschaften und Wohnungsgesellschaften würden sich bei ihm informieren, welche Schritte notwendig seien, um sinnvoll Sonnenkraft zu nutzen.

Für ihn ist eine autarke Stromversorgung einzelner Häuser durchaus vorstellbar. "Dem Strom gehört die Zukunft", ist sich der Halberstädter sicher, "auch das Heizen wird mehr und mehr auf Strom basieren. Technisch ist das bereits alles möglich." Diese Unabängigkeit ist einer der Gründe, warum er massiv gegen ein Fernwärmevorranggebiet in Halberstadt vorgeht. Die WGH trennt die großen Wohnblöcke von der Fernwärmeversorgung. "Wir setzen auf eigene, kleine Blockheizkraftwerke, auf Solarthermie und Wärmepumpen innerhalb unseres Wohnungsbestandes", erklärt Schönfeld, der seit 18 Jahren im WGH-Vorstand tätig ist.

Außerdem habe die Genossenschaft einen großen Vorteil, sie müsse wirtschaftlich arbeiten, jedoch keinen Gewinn erzielen für Gesellschafter oder Aktionäre. "Wenn wir einen Teil der Betriebskosten durch den Einsatz erneuerbarer Energie preislich stabil halten können, dient das auf lange Sicht unserem Genossenschaftszweck: der Förderung unserer Mitglieder", so Schönfeld.