Fachwerk aus der Zeit um 1460 soll im Mai einen Teil des Gleimhaus-Ostgiebels zieren. In einem kleinen Festakt ist dafür am Freitag der Grundstein gelegt worden.

Halberstadt l Der Grundstein ist mindestens zehn Meter lang und ein breites Betonfundament. Doch in ihm ruhen seit gestern Mittag Kopien einer Bauakte, die aktuelle Ausgabe der Halberstädter Volksstimme, ein Überblick über die Geschichte des Halberstädter Lions Clubs und Informationen zu dem Projekt, das durch eine Arbeitsgelegenheit der AWZ gGmbH ins Rollen gebracht wurde.

"Dieses Vorhaben ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie aus sozialen Projekten Arbeit für die regionalen Handwerksbetriebe wächst", sagte Detlef Rutzen während der feierlichen Grundsteinlegung. Dazu hatten sich gestern Mitarbeiter der beteiligten Firmen, Vertreter des Lions Clubs Halberstadt, Mitarbeiter und Förderkreis-Vorstand des Gleimhauses sowie Vertreter der Stadt am Ostgiebel des Gleimhauses versammelt.

Geschäftsführer Detlef Rutzen erinnerte daran, dass die AWZ gGmbH Träger zahlreicher sozialer Projekte ist, unter anderem gehören Arbeitsgelegenheiten dazu. Als sein Unternehmen den Standort Burchardikloster übernahm, gab es Gespräche darüber, ob nicht über solche Arbeitsgelegenheiten die historischen Bauelemente, die die Stadt gerettet und eingelagert hatte, gesichtet und katalogisiert werden könnten. Konnten sie, dank der Finanzierung durch die Kommunale Beschäftigungsagentur. Bei der Vorstellung der Arbeitsergebnisse reifte dann die Idee, eine wertvolle Fassade wieder aufzubauen, und zwar die Ostfront eines Fachwerkhauses, das um 1460 zwischen Domplatz und Westendorf errichtet worden war und 2004 fast vollständig einstürzte.

Der Lions Club begeisterte sich für das besondere Vorhaben und erklärte sich bereit, den Eigenanteil für das 84 000 Euro teure und zum Großteil mit Geld aus dem Städtebaulichen Denkmalschutz finanzierte Vorhaben einzuwerben. In der Stiftung der Harzer Volksbank fand der Club einen potenten Spender. Immerhin 11 000 der benötigten 16 000 Euro für den Eigenanteil kommen von der Volksbank. "Im Mai 2015 feiern wir die Gründung unseres Clubs vor 25 Jahren. Das wollen wir mit der Einweihung der Fassade verbinden", sagte Volker Bürger, aktueller Präsident der Halberstädter Lions.

Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) dankte allen Beteiligten für das Engagement, an dieser Stelle "ein Stück Stadtgeschichte und zugleich Stadtentwicklung deutlich zu machen". Halberstadt habe bis zur Kriegszerstörung 1945 zu den schönsten deutschen Fachwerkstädten gehört, rund 1600 Fachwerkhäuser gab es bis zum 8. April 1945. Zu DDR-Zeiten wurden dann zahlreiche der nicht durch den Bombenangriff zerstörten Fachwerkhäuser ein Opfer der damals verfolgten Wohnungsbaupolitik. Nun entstehe an einer Stelle, an der bis 1945 in zwei Reihen Fachwerkbebauung vorhanden war, eine der ältesten erhaltenen Fachwerkfassaden der Stadt wieder und werde zu einem Blickfang für die Halberstädter und Gäste der Stadt.

Udo Mammen, Vorsitzender des Förderkreises Gleimhaus, wünschte während der Grundsteinlegung, dass die Fassade "Aufmerksamkeit auch auf das Handeln und Tun im Inneren des Gleimhauses lenken" möge.

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