Dass sie mal Unternehmerin sein würde, das war ihr zu Beginn der beruflichen Laufbahn nicht klar. Doch nun ist Iris Hentrich Chefin von sechs Mitarbeitern. Die knapp bemessene Freizeit nutzt sie, um zu laufen und für den nächsten Triathlon zu trainieren.

Langenstein l Aus dem kleinen Gebäude schallt Gelächter. Wer das einst als Garage konzipierte und mit einem Anbau erweiterte Reich von Iris Hentrich betritt, wird von meist gutgelaunten Frauen empfangen. Am Schäferberg arbeiten an diesem Tag Regina Stach und Heike Hundertmark an der großen Heißmangel. Laken, Bettbezüge, Tischdecken, Geschirrhandtücher verlieren auf der heißen Walze ihre Falten. Akkurat zusammengelegt, wandern sie anschließend wieder zurück in Körbe, Taschen, Beutel.

Im Raum nebenan steht Iris Hentrich am Bügelbrett. Zwischen den großen Waschmaschinen, in denen gerade Betten ihre "Runden drehen". Auf einem Regal stehen Wasch- und Reinigungsmittel, an mehreren Ständern hängen gebügelte Oberhemden, Blusen, Kleider. Weiße Arbeitskittel, Hosen und T-Shirts stapeln sich auf einem zweiten Regal. Sie sind fertig zur Abholung oder Auslieferung.

Iris Hentrich hat ihren Laden perfekt sortiert. Jeder Handgriff sitzt, die Abläufe sind gut aufeinander eingespielt.

Heute allerdings wird sich der lange Tisch, auf dem sonst die großen Wäschestücke zusammengelegt werden, zu einem kleinen Büfett verwandeln. "Das halten wir schon seit vielen Jahren so: zum Gründungstag wird hier am Schäferberg nicht gearbeitet, da sage ich meinem Team und den Kunden Danke", erklärt die agile Langensteinerin.

Der Liebe wegen hat es die gebürtige Wernigeröderin in das Dorf an der Altenburg verschlagen. Seit 27 Jahren schon lebt sie hier und will nicht mehr weg, wie sie erzählt. Dass sie mal Unternehmerin sein würde, daran hat sie als junge Frau nicht mal gedacht. "Das hat sich irgendwie alles so ergeben", sagt sie und lacht.

Zu DDR-Zeiten begann die heute 48-Jährige eine Lehre als Kleidungsfacharbeiterin, doch der Verdienst als Näherin war mau. Also wechselte sie ins Drei-Schichtsystem einer Wäscherei in Wernigerode. "Da habe ich vier Jahre gearbeitet und merkte, ich wollte mehr. Also entschloss ich mich, eine Meisterausbildung im Reinigungsfach anzuschließen", berichtet Iris Hentrich. Zum Glück wurde ihre Lehre anerkannt, da die Ausbildungsinhalte nicht so weit auseinanderlagen. Zur Wende hatte sie ihren Meisterbrief in der Tasche und wenig später die Kündigung. Ihr Betrieb wurde dichtgemacht. "Da ich gerade meinen Sohn zur Welt gebracht hatte, hatte ich trotzdem viel zu tun", erinnert sie sich.

Ein Jahr lang war sie arbeitslos, jobbte ein paar Stunden in einer Heißmangel. Als deren Besitzerin aufgab, kaufte sie ihr die Mangel ab, reparierte das Gerät und beschloss, es mit beruflicher Selbständigkeit zu versuchen. "Im ersten Jahr gab es für mich als Existenzgründerin monatlich einen kleinen Zuschuss. Das hat geholfen, die Durststrecke am Anfang zu überstehen", so Hentrich. Stück für Stück baute sie ihren Kundenstamm auf, es gab wechselnde Annahmestellen, irgendwann kamen die ersten Mitarbeiter dazu.

Aber es ist ein harter Markt, vor zehn Jahren war sie kurz davor, aufzugeben. "Damals schloss eine Kollegin ihr Geschäft. Sie sagte zu mir: ,Wasch doch!` Also kaufte ich die Waschmaschine von ihr und nahm auch diese Dienstleistung mit auf." Inzwischen ist die alte Maschine reif fürs Altenteil, sie wird demnächst durch eine moderne, größere ersetzt. "Ohne regelmäßige Investitionen geht es nicht, auch wenn mein Ziel nicht darin besteht, möglichst groß zu werden als Unternehmen."

Als einen Warnschuss sieht sie inzwischen eine Diagnose, die sie vor sieben Jahren

erhielt: Diabetes. "Da habe ich mir gesagt, so geht das nicht weiter." Sie verzichtete nicht nur sofort auf Kuchen und die geliebte Schokolade, sie begann, sich sportlich zu betätigen. "Ich kaufte mir ein Fahrrad und fuhr und fuhr und fuhr." 3000 Kilometer und 13 Kilogramm weniger auf der Waage waren das Ergebnis nach einem Jahr.

Als sie ihren Sohn besuchte, der inzwischen in Wolfsburg eine Lehre absolviert, erlebte sie einen Triathlon mit. "Ich wusste sofort, das ist was für mich. Auch als mein Mann mir sagte, ich müsste erstmal richtig schwimmen lernen. Also lernte ich schwimmen, begann zu laufen. Ich habe jede Nacht vom Triathlon geträumt und meine beiden Männer angesteckt mit meiner Begeisterung. Seitdem sind wir als Team ,Heiße Plätte` unterwegs. Allerdings nur bei Familienveranstaltungen, an den Iron Man in Hawaii würde ich mich nie wagen. Es muss alles im Rahmen bleiben", erzählt sie mit einem sympathischen Lachen. Dabei ist sie jedes Jahr bei den Profis in Frankfurt/Main dabei. "Aber nur als Helfer, da reiche ich den durchtrainierten Männern Wasser und Energieriegel." Dieser Einsatz macht ihr Spaß, gibt ihr Kraft. "Man lernt in diesem Sport viele tolle Leute kennen, es sind gute Freundschaften entstanden."

Die zu pflegen, ist wieder etwas schwieriger geworden. Sie hat in Halberstadt die Filiale einer großen Reinigungskette übernommen. "Es sind gute Leute, die da arbeiten", sagt sie. "In den nun 20 Jahren meiner Selbständigkeit kann ich mich nicht beklagen. Auch wenn die Belegschaft durchaus gewechselt hat, alle waren fleißig. Ohne gute Mitarbeiter geht es einfach nicht", sagt sie. Obwohl ihr die neue Firmenentwicklung weniger Zeit für den Sport lässt, bereut hat sie den Schritt nicht.