Zum zweiten Mal erhielten Maschinisten aus den Feuerwehren der Osterwiecker Orte ein Fahrsicherheitstraining.

Berßel l "Du sollst die Bremse nicht streicheln - das Pedal verbiegt sich nicht." Günther Helbig hat für die Teilnehmer immer einen Spruch auf den Lippen. Und der Fahrsicherheitstrainer nimmt auch mal die Hand zu Hilfe, um mit einem Klaps auf den Oberschenkel des Kraftfahrers den Unterschied zwischen seiner gerade abgelieferten "Streichel"-Bremsung und einer erwarteten Schlagbremsung zu demonstrieren. Die übergroße Mehrheit der Kraftfahrer hat noch nie eine Schlagbremsung vorgenommen, weiß Helbig aus seiner Arbeit als Fahrlehrer in Zörbig.

Acht Jahre ist es her, als vier junge Feuerwehrleute aus Wolmirstedt bei einem Verkehrsunfall im Einsatzfahrzeug ihr Leben verloren. Danach hat der Landesfeuerwehrverband begonnen, für Maschinisten Fahrsicherheitstrainings anzubieten. Seit vorigem Jahr nimmt auch die Stadt Osterwieck das Angebot an. Die Firma Landboden in Berßel stellte ihr Gelände für die Übungseinheiten zur Verfügung: Slalomfahren, Schlagbremsung und die schwierige Kombination von Abbremsen und einem Hindernis ausweichen.

"Wenn ich komme, denken die Teilnehmer oft: Was will der denn von mir? Aber hinterher sagen sie: Gott sei Dank, dass ich mitgemacht habe."

Günther Helbig, Fahrsicherheitstrainer

Die Feuerwehrleute lernen schnell. Der Daumen des Trainers geht immer öfter hoch nach der Vollbremsung. "Sie steigern sich, bekommen Vertrauen in ihre Technik." Genau das ist das Ziel der Übungen. "Wenn ich komme, denken die Teilnehmer oft: Was will der denn von mir? Aber hinterher sagen sie: Gott sei Dank, dass ich mitgemacht habe", ist eine Erfahrung, die Helbig als einer von drei Trainern in Sachsen-Anhalt im Lauf der Jahre gesammelt hat. "Sie wissen vorher gar nicht, was sie noch nicht wissen." Wobei die großen Löschfahrzeuge besondere Tücken haben. Im Gegensatz zum normalen Lkw sind sie hoch beladen, zeigen ein ganz anderes Kippverhalten.

Hinzu kommt eine oft veraltete Feuerwehrtechnik, überwiegend um die 20 Jahre im Dienst. Nur wenige Einsatzfahrzeuge bremsen mit ABS. Zusätzliches Problem ist, dass die Reifen oft genauso alt wie die Autos sind, weil die Kassen der Kommunen klamm sind. "Das ist eine traurige Tatsache", spricht Helbig aus Erfahrung. Die Reifen müssten eigentlich spätestens nach zehn Jahren erneuert werden. "Aber dann heißt es, das Profil sieht doch noch gut aus." Doch die Weichmacher trocknen aus, ein spröde gewordener Reifen könnte platzen. Osterwiecks Stadtwehrleiter Frank Kenzig erklärt indes, dass die zehn Jahre nur eine Empfehlung seien. "Wir haben uns erkundigt." Wenn in der Stadt an einem Einsatzfahrzeug Reifen ausgetauscht werden müssen, werde das auch getan.

Die Teilnehmer aus der Stadt Osterwieck haben das Training jedenfalls nicht bereut. "Man hat ja als Kraftfahrer eine Verantwortung auch für die Mitfahrer", sagt der Deersheimer Georg Becker. Manche Hinweise bekam er schon im vorangegangenen theoretischen Unterricht, die einem logisch erscheinen, aber in der Praxis oft nicht berücksichtigt werden. Sei es, dass man beim Lenken nicht in das Lenkrad hineinfasst. Oder dass man beim Slalom und Bremsen stets geradeaus schauen muss. "So ein Fahrsicherheitstraining sollte jeder Maschinist mal absolvieren", ist das Fazit von Fred Bomeier aus Zilly.

Dass es das in Osterwieck gibt, haben die Aktiven ihrem Stadtwehrleiter Frank Kenzig zu verdanken, berichtet Günther Helbig. Kenzig spricht von einer "Bärenverantwortung", die die Fahrer der Einsatzfahrzeuge haben. Ziel sei es, in den nächsten Jahren möglichst vielen Maschinisten solch ein Sicherheitstraining zu ermöglichen. Das müsse aber auch finanziert werden. Dafür werden städtische Einnahmen aus der Feuerwehrschutzsteuer verwendet.

 

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