Quedlinburg/Berlin l Es gibt Momente, da leiden selbst gestandene Profis, die auf dem Parkett vieler Institutionen zu Hause sind, unter Lampenfieber. Klaus George ist es dieser Tage im Schloss Bellevue, dem Amtssitz von Bundespräsident Joachim Gauck, so ergangen. Aus verständlichen Gründen. Schließlich wird einem nicht alle Tage auf dem Hochglanzparkett des Bundespräsidialamtes das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Und damit nicht genug: Weil die Gäste bei solchen Veranstaltungen nicht zufällig platziert werden, sondern das gute alte Alphabet den Rahmen vorgibt, wurden dabei George und George Schulter an Schulter platziert. Der Vogel- und Umweltschützer Klaus George saß neben Schauspieler-Legende Götz George.

"Ein bisschen aufgeregt waren wir beide", verrät der 56-jährige Harzer, der nicht mal einen Zettel für ein Autogramm parat hatte. " Egal, am Ende, nach dem offiziellen Teil, haben wir die Chance, miteinander locker ins Gespräch zu kommen, ausgiebig genutzt", verrät der Chef des Regionalverbandes Harz. Nicht nur von George zu George, sondern vor allem mit dem ebenfalls geehrten langjährigen ARD-Russland-Korrespondenten Gerd Ruge. Mit dem teilt Klaus George unter anderem die Reise-Leidenschaft. Während Gerd Ruge Russland und die Russen nach vielen Jahren Korrespondententätigkeit bestens kennt, weilte Klaus George kürzlich als Tourist in Sibirien. Folglich hatten beide genügend Stoff zum Plaudern.

Dass der Harzer dabei vor allem Natur und Tiere im Blick hatte, liegt auf der Hand. Der 56-Jährige ist schon seit Jahrzehnten der Vogelwelt auf der Spur und Gründungsvater des Ornithologenverbandes Sachsen-Anhalt. Mehr noch: Der Ballenstedter hob den Verband kurz nach der politischen Wende nicht nur mit aus der Taufe, sondern war von 1995 bis 2007 auch dessen Vorsitzender. Unter anderem wegen dieses Engagements wurde Klaus George von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) für die Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen.

Haseloff würdigt zudem Georges langjähriges Wirken als Geschäftsführer des Regionalverbandes Harz. In dieser Funktion habe der Mann aus dem Ballenstedter Ortsteil Badeborn dazu beigetragen, dass besonders der Naturpark Harz zu einer Modellregion zählt Und zwar für fairen Interessenausgleich zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Erholung für den Menschen einerseits und dem Schutz der Natur andererseits.

Und damit nicht genug: Georges erklärtes Ziel ist es, die Region länderübergreifend voranzubringen. "Der Harz ist heute flächendeckend als Naturpark ausgewiesen - wir sind dabei, diese Parks länder-übergreifend zusammenzuführen." Der bereits 1960 in Niedersachsen gegründete Naturpark soll langfristig mit den beiden Arealen im Ostharz, in den früheren Kreisen Wernigerode, Quedlinburg und Sangerhausen sowie im Mansfelder Land fusionieren.

George, der schon weit vor der politischen Wende ehrenamtlich im Naturschutz tätig war, ist dabei Visionär und Vordenker gleichermaßen. Der Blick über den berühmten Tellerrand ist ihm dabei wichtig und mündet geradewegs ins Engagement beim Nationalen Geopark Harz/Braunschweiger Land/Ostfalen, der ein Areal von 100 Kilometern in Ost-West-Richtung und rund 120 Kilometern in Nord-Süd-Richtung umfasst. Am östlichen Harzrand umfasst der Geopark auch die Städte Aschersleben und Seeland. "Unseren Park zum Unesco-Geopark zu entwickeln, ist das erklärte Ziel, das vielleicht schon 2015 Wirklichkeit wird", sagt George.

Doch nicht nur hier ist der 56-Jährige, der sich längst mit dem Spitznamen "Vater der Geo-Marken" schmücken darf, aktiv. Erst im September wurde der Leiter des Natur- und Geoparks Harz erneut in den Vorstand des Verbands Deutscher Naturparke gewählt. Darüber hinaus ist er Vorsitzender des Naturschutzbeirates des Landes-Umweltministeriums, Mitglied weiterer Fachgremien und aktiv in vielen ornithologischen Vereinen. So ist George beispielsweise auch Gründungsmitglied im Förderkreis des Museums Heineanum in Halberstadt.

"Ich hatte 1990 das riesengroße Glück, mein Hobby zum Beruf machen und in die damalige Kreisverwaltung Quedlinburg wechseln zu können", zieht der 56-Jährige heute sichtlich zufrieden Bilanz. Von dort wurde er 1995 in die Geschäftsleitung des Regionalverbandes Harz entsandt.

Und - was macht der Vater der Geo-Marken, der regionale Visionär und sprichwörtliche Hansdampf in allen Gassen, wenn er mal nicht auf irgendeinem Parkett dienstlich oder ehrenamtlich unterwegs ist? Er reist viel, ist im Badeborner Geflügelzuchtverein aktiv und erkundet mit den vier Enkelkindern am liebsten die Harzer Wälder direkt vor der Haustür.