Einen Ort der Information und des Innehaltens gibt es seit Mittwoch in Halberstadt. Vor der Martinikirche ist der "DenkOrt Martini" entstanden. Ein Kunstwerk erinnert an die friedliche Revolution 1989.

Halberstadt l Tino Großkopf steuert ruhig den Kran. Am Haken ist ein neun Meter hohes Metallrechteck befestigt. Langsam gleitet es aus dem Lkw-Anhänger nach oben. Zwischen den mattgrauen Rahmen glitzern schmale Edelstahlstäbe. Wenig später ist das von der Metallbaufirma Kästner angefertigte Element aus dem Anhänger gehoben. Tino Großkopf schwenkt den Arm des 180-Tonnen-Geländekrans und setzt das Kunstwerk sicher ab. Felix Kästner und Rainer Hena schrauben die Metallpfosten auf dem Betonsockel fest. Noch ruht die Last nicht komplett auf dem Sockel.

Wenig später ist Felix Kästner zufrieden, der Rahmen steht im Lot, die Last kann vom Haken. Für Tino Großkopf und Dieter Scholz ist die Arbeit getan, die beiden Männer der Firma Schäfer beobachten das weitere Geschehen, so wie es einige andere Halberstädter auch tun. Ute Schiborra, Monika Hinz und Rainer Schöne gehören zur Initiativgruppe DenkOrt Martini, die die ganze Aktion vor einigen Jahren ins Rollen gebracht hat. Der Stadtrat griff die Idee auf und beschloss, dass an der Westseite der Martinikirche ein Kunstwerk an die Wendezeit im Herbst 1989 in Halberstadt erinnern soll.

Katharina Hinz, Tochter des verstorbenen Metallgestalters, Wende-Aktivisten und langjährigen Stadtratspräsidenten Johann-Peter Hinz gewann den von den Initiatoren ausgeschriebenen Wettbewerb. Schmale Edelstahlstäbe reflektieren das Licht und sollen an die Kerzen erinnern, die die Demonstranten im Herbst 1989 in den Händen hielten. Auf zwei Tafeln findet der Betrachter Informationen zum damaligen Geschehen.

Dank zahlreicher Spender und Unterstützung verschiedener Firmen konnte im August der Bau des Kunstwerkes in Auftrag gegeben werden.

Während am Mittwochmittag Passanten die am Martiniplan stehenden Zuschauer fragen, was denn da vor sich gehe, haben Volker Riemann und Dieter Heyer vom Stadt- und Landschaftspflegebetrieb eine Hubbühne herangefahren. Sie helfen Felix Kästner und Rainer Hena bei den weiteren Arbeiten. Schließlich muss das schmale, aber hohe Metallgitter noch an der Kirchenmauer fixiert werden. Felix Kästner ist dazu auf das Gerüst geklettert. An vier Stellen setzt der 39-jährige Metallbauer aus Klein Quenstedt den Bohrer an. Die Metallanker werden verklebt und sichern das Kunstwerk vor dem Einfluss des Windes.

Dass an einem Denkmal ein anderes Element angeschraubt werden darf, werde nur äußerst selten erlaubt, berichtet Rainer Schöne, der viele Jahre Halberstadts Baudezernent war. "Hierfür aber haben die Denkmalschutzbehörden grünes Lich gegeben", sagt Jörg Wolansky. Dieser habe als Bauleiter das Projekt tatkräftig vorangebracht, betont Schöne und wendet sich Harry Herrmann zu. Der Schädlingsbekämpfer wird noch einen Taubenschutzdraht auf der oberen Querstrebe des Kunstwerkes anbringen.

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