130 Menschen vor allem aus Veltheim und Roklum haben im Großen Bruch an der Brücke zwischen beiden Gemarkungen die Grenzöffnung vor 25 Jahren gefeiert.

Veltheim/Roklum l Veltheim und Roklum (Landkreis Wolfenbüttel) sind nicht nur Nachbar- sondern auch Partnergemeinden. Schon bald nach der Grenzöffnung wurde ein dickes Brett über den Schiffgraben gelegt. Am 30. Juni 1990 erfolgte dann der Bau der Brücke. "Wir besorgten das Material, die Veltheimer sind handwerklich tätig gewesen", blickte der Roklumer Ehrenbürgermeister Dieter Schliep-hacke zurück, der auch an die ersten offiziellen Kontakte mit Veltheimern am 23. Dezember 1989 erinnerte. Dorothea Adamski, heute 86 Jahre alt, aus Roklum gab seinerzeit dem "Kind" einen Namen: "Friedensbrücke"

Für landwirtschaftliche Fahrzeuge zu leicht gebaut, wurde die Brücke daher Anfang 1991 neu und stabiler errichtet.

Am "Roklumer Weg", den die Roklumer übrigens "Velten Stieg" nennen und die Veltheimer zu DDR-Zeiten Schmiedeweg nennen mussten, kamen am Sonnabendnachmittag etwa 130 Menschen zusammen und feierten bis in die Dunkelheit gemeinsam die Grenzöffnung, die ganz in der Nähe bei Hessendamm am 12. November 1989 erfolgt war. Besonders zwischen Roklumern und Veltheimern gab es früher, bis zur immer undurchlässiger werdenden Grenze, viele verwandtschaftliche und freundschaftliche Verbindungen.

Eingeladen hatten zu dieser Feier das Evangelische Kirchspiel Veltheim sowie die Feuerwehren aus Roklum und Veltheim.

Viele Erinnerungen wurden ausgetauscht. "Ich habe den Krieg erlebt, als die Amerikaner aus Richtung Osterode nach Mattierzoll kamen, habe an der schrecklichen Grenze gelebt und bin am Tag der Grenzöffnung mit meiner Frau Helga Richtung Hessen gewandert", erinnerte der Roklumer Hans Schulz (80).

Pfarrer Stephan Werther hielt auf einer Wiese vor der Brücke einen Gottesdienst. Dabei ging er auf die wichtige Rolle der Kirchen, besonders der evangelischen Kirche, in den Wochen vor dem Mauerfall ein und erwähnte den Leitspruch: "Mit meinem Gott kann man über Mauern springen." Vor 40 Jahren hängte sein Vater, Superintendent in Wernigerode, diese Zeilen in den Schaukasten der Kirchengemeinde und erlebte, dass die Stasi die Entfernung "dieses zur Republikflucht anstiftenden Wortes" verlangte. "Es ist für mich ein politisches Schlüsselerlebnis gewesen, dass die Großen aufhören zu herrschen, wenn die Kleinen aufhören zu kriechen", betonte der Pfarrer, der das Jahr "1989 eine wichtige Etappe in einem Prozess" nannte, welcher "noch lange nicht an seinem Ende ist." Es sei ein "Skandal und eine Ohrfeige für die Herrschenden, dass die Wahlbeteiligung auf 50 Prozent und darunter gefallen" ist.

Werther betonte zum Schluss: "Wir sind dankbar, dass vor 25 Jahren alles so gut verlaufen ist und auch die Grenzsoldaten Mut und Weisheit besaßen."

Der Roklumer Bürgermeister Karl-Heinz Müller nannte die Brücke über dem Schiffgraben ein neues Band zwischen Roklum und Veltheim. Er dankte den Organisatoren der Veranstaltung und betonte: "Für Freiheit muss an jedem Tag neu eingestanden werden."

Während der Feier wurden Speisen und Getränke gereicht. Dabei machte sich Horst Löhr, in der Wendezeit einer der kritischen Kirchenleute in der Region, als Koch der Gulaschsuppe nützlich. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Roklumer Hörnerzug unter der Federführung von Detlef Bartels und vom Veltheimer Schalmeienzug unter der Leitung von Thomas Kühnold. Im Zelt konnten die Besucher alte Dorfansichten, Fotos und Texte aus der Zeit der Grenzöffnung, Fotos vom Sängerfest in Veltheim 1956 sowie vom Sänger- und Schützenfest in Roklum 1957 betrachten. Damals konnten sich Roklumer und Veltheimer Sangesbrüder noch gegenseitig besuchen.

Veltheims Ortschronist Rolf Maximilian gefiel die Feier "sehr gut". Er sprach von einem familiären Charakter der Veranstaltung. "Gut, dass wir wieder zusammengekommen sind", betonte der ehemalige Veltheimer Bürgermeister Klaus-Dieter Böhnstedt.

   

Bilder