Erst passiert nichts im Fall des toten Wildschweins im Goldbach bei Langenstein. Jetzt überschlagen sich die Reaktionen, die aus dem Landratsamt und der Stadtverwaltung Halberstadt kommen.

Von Jörg Endries

Halberstadt l Der Fall "Totes Wildschwein im Goldbach" bei Langenstein ist abgeschlossen. Vor mehr als 14 Tagen hatte ein Bürger die Behörden auf das verendete Tier aufmerksam gemacht und lange war nichts geschehen. Nun ist der Kadaver entsorgt worden.

"Unser Amtstierarzt war heute früh gemeinsam mit dem Jagdpächter vor Ort und hat sich davon überzeugt, dass das Wildschwein offenbar entsorgt worden ist", informierte gestern Ingelore Kamann, Sprecherin der Kreisverwaltung Harz.

"Seit Bekanntwerden des verendeten Wildschweins im Goldbach bei Langenstein ist die Ordnungsabteilung der Stadt Halberstadt tätig gewesen."

Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit

Eine Frage ist bislang jedoch unbeantwortet geblieben. Warum hat der Fachbereich Ordnung der Stadtverwaltung den Bürgerhinweis nicht konsequent bis zur Lösung verfolgt? Mario Kirste, der die Verwaltung über die Beschwerdehotline informiert hatte, ist im Unklaren gelassen worden. Im Rathaus sieht man den Sachverhalt hingegen völlig anders.

"Seit Bekanntwerden des verendeten Wildschweins im Goldbach bei Langenstein ist die Ordnungsabteilung der Stadt Halberstadt tätig gewesen, um das Problem zu lösen. Wir ignorieren keine Bürgerhinweise und Aussagen diesbezüglich sind entschieden zurückzuweisen", reagierte Thomas Dittmer, Teamleiter Ordnung und Sicherheit, zwei Tage nachdem die Volksstimme das erste Mal über den Fall berichtet hatte.

Laut Dittmers Schreiben habe die Verwaltung mit verschiedenen in Frage kommenden Stellen Kontakt aufgenommen, "um die Verantwortlichkeiten abzuklären". Die Kontaktaufnahme habe sich keinesfalls nur auf den Jagdpächter beschränkt.

Für Mario Kirste hat sich das allerdings ganz anders dargestellt. Er erinnert an das Schreiben, das er von der Stadtverwaltung bekommen hat: "Sehr geehrter Herr Kirste, am 10.11.2014 bekam ich erstmals den Hinweis, dass ein Wildschweinkadaver im Goldbach in Langenstein liegt. Mein Kollege war auch an dem selben Tag vor Ort. Ich habe dann mit dem zuständigen Jäger (Herr Kaufhold) gesprochen. Herr Kaufhold äußerte sich (...), dass ihm der Sachverhalt bekannt ist und er das Wildschwein dort nicht wegholen wird. Ich bitte Sie für eventuelle Rückfragen, sich direkt an Herrn Kaufhold unter der Telefonnummer (...) zu wenden."

Kein Wort darüber, dass die Ordnungshüter der Stadtverwaltung Halberstadt sich weiter um den Fall kümmern. Im Gegenteil, der Bürger soll sich selbst mit dem Jäger in Verbindung setzen. Ein Satz, auf den der Langensteiner gewartet hat, fällt nicht: "Danke für Ihren Hinweis, wir kümmern uns."

Warum dies nicht erfolgt ist, dazu schreibt Thomas Dittmer in seiner Reaktion an die Redaktion nichts.

Stattdessen: "Die Klärung des Sachverhaltes erwies sich nicht zuletzt deshalb als schwierig, weil ein totes Wildtier in der freien Landschaft weit außerhalb von Ortschaften ein durchaus natürlicher Prozess ist und nur selten ein ordnungsbehördliches Handeln erforderlich ist", erklärt Dittmer. Die Ermittlung des Verantwortlichen sei aber notwendig, insbesondere, wenn wie hier keine Gefahr im Verzug sei. Erfolge dies nicht, würden regelmäßig die falschen Personen Ziel von ordnungsbehördlichen Ermittlungen werden.

Thomas Dittmer: "So sehr der Wunsch von Herrn Kirste nach sofortiger Beseitigung des Kadavers zu verstehen ist, zuerst muss die verantwortliche Stelle gefunden und dann zum Handeln aufgefordert werden."