Halberstadt l Sie ist vielen Menschen in Halberstadt bekannt, obwohl sie ungern im Rampenlicht steht. Hannelore Lorenz ist seit gut zehn Jahren Verwaltungschefin des Städtischen Friedhofes. Und als solche hat sie viel mit Menschen zu tun, aber auch mit anderen Behörden. Eine Kombination, die ihr in ihrem ehrenamtlichen Engagement zugute kommt. Weiß sie doch daher zum Beispiel ganz gut, wie Verwaltungen "ticken".

Aber das war nicht der Grund für ihre Entscheidung, sich als Betreuerin zu engagieren. "Ich helfe gerne anderen Menschen, freue mich, wenn ich jemandem etwas Gutes tun kann. Eine Nachbarin von mir hat mich auf die Arbeit als Betreuer aufmerksam gemacht", berichtet die 43-Jährige. Bis sie sich dann tatsächlich bei der Betreuungsbehörde gemeldet hat, dauerte es dann doch noch etwas. "Aber ich habe es bislang nicht bereut", sagt sie.

Vor mehr als zwei Jahren war es dann soweit. Auch, weil sie ohenhin auf der Suche nach einer Aufgabe war, die sie neben Vollzeitjob und großem Garten fordert und ausfüllt. "Meine Tochter ist jetzt 16, sie ist sehr selbstständig und viel unterwegs. Da hatte ich sozusagen Zeit übrig", erzählt die Halberstädterin und muss schmunzeln.

So richtig "übrig" ist die Zeit für ihre ehrenamtliche Aufgabe nämlich nicht immer. "Man muss sich halt gut organisieren", sagt sie. Aber die Überlegung, sich eine neue Aufgabe zu suchen, hält sie nach wie vor für richtig.

Inzwischen hat sie Erfahrung als Betreuerin. Angefangen hatte sie mit einer älteren Dame in einem Heim. Dann kam eine zweite Betreuung für einen älteren Herrn hinzu und dann eine dritte. Eine der zwei von ihr betreuten Frauen lebt in ihrer eigenen Wohnung. "Das war noch einmal eine andere Aufgabenstellung. Das hat mich gereizt. Aber mehr als diese drei Betreuungen sind nicht drin", sagt Hannelore Lorenz, schließlich ist sie berufstätig und Zeit für Eigenes muss einfach auch sein.

Sie hat in den vergangenen zwei Jahren erfahren, wie schwer es sein kann, verloren gegangenes Vertrauen bei den Betreuten wieder aufzubauen. Sie ärgert, dass einige "schwarze Schafe" so viel kaputt machen. Nicht nur im Verhältnis zum Betreuten, sondern auch für das Ansehen der anderen Betreuer.

Weiterbildung ist unerlässlich

Aber Hannelore Lorenz ist kein Mensch, der viel jammert. Sie hat ihre Meinung zu den Dingen, aber sie muss sich nicht profilieren. Ihr Engagement kommt aus ehrlichem Herzen. "Ich will helfen, dass die älteren und hilfsbdürftigen Menschen nicht vergessen werden", sagt sie. "Andere bringen sich für Kinder und Jugendliche ein, sind in Sportvereinen aktiv oder in der Kultur. Mir sind die älteren Menschen wichtig. Ihnen zu helfen, ist mir eine Herzensangelegenheit."

Die allerdings fordert auch, verlangt Weiterbildung. "Ich bin froh, auf den Betreuungsverein gestoßen zu sein", berichtet sie. "Die Mitarbeiter dort unterstützen einen. Es ist immer jemand greifbar, der einem eine Frage beantworten kann. Vor allem Christine Hehle als Chefin dort ist eine wichtige Ansprechpartnerin für mich geworden."

Hannelore Lorenz nutzt sowohl die Möglichkeit, sich in einem Einzelgespräch Rat zu holen, als auch die vom Verein für die Ehrenamtlichen angebotenen Seminare, Vorträge, Fort- und Weiterbildungen. Auch der Austausch mit anderen ehrenamtlichen Betreuern sei hilfreich, berichtet sie. "Schließlich handele ich im Auftrag für einen anderen Menschen, muss dessen Wohlergehen und die Wahrung seiner Rechte im Blick behalten. Dabei sind zum Beispiel Fragen zum Datenschutz wichtig. Die Alltagsprobleme für einen anderen Menschen zu lösen, das ist nicht so ganz ohne."

Sie besucht die von ihr Betreuten fast jede Woche, kümmert sich um Finanzen, Gesundheitsfürsorge und all die Dinge, die ihr vom Gericht übertragen wurden. "Es ist nicht immer die reine Freude, aber es ist eine sehr dankbare Aufgabe. Es wäre toll, wenn sich dafür noch mehr Menschen fänden", sagt sie.

Das ist ein Wunsch, den sie mit Christine Hehle teilt. Die Geschäftsführerin des Betreuungsvereins Halberstadt kennt die Herausforderungen dieses Ehrenamts aus eigener Erfahrung. "All jene, die sich als Angehörige oder sozial Engagierte von einem Amtsgericht als ehrenamtliche rechtliche Betreuer bestellen lassen, übernehmen eine hohe Verantwortung für Menschen, die wegen einer Erkrankung oder aus Altersgründen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst erledigen können", sagt sie.

60 Prozent aller Betreuungen im Land Sachsen-Anhalt werden ehrenamtlich geführt, davon wiederum die überwiegende Anzahl von Familienangehörigen. Dort, wo familiäre Strukturen nicht mehr ausreichen oder nicht vorhanden sind, werden laut Hehle vorrangig freiwillig sozial Engagierte als ehrenamtlich rechtliche Betreuer bestellt. "Für diese mit Selbstverständlichkeit gelebte familiäre und soziale Solidarität, ist der heutige Tag des Ehrenamtes ein guter Anlass, um diesem Engagement öffentlich Anerkennung zukommen zu lassen", sagt Hehle.

Um die ehrenamtlichen Betreuer zu unterstützen, bietet der Verein nicht nur kostenlose Informationsmaterialien und Fachliteratur, sondern auch Einzelberatungsgespräche zur Betreuerarbeit und Seminare an.

Informationen unter Telefon (0 39 41) 2 44 43 oder per E-Mail an Hehle.BetreuungsvereinHBS@t-online.de