Auf vielfältige Art haben die Bürger der Stadt die friedliche Revolution von 1989 im vergangenen Jahr gewürdigt. Das Jubiläum 25 Jahre deutsche Wiedervereinigung gehört zu den zentralen Themen in diesem Jahr. Mehr als ein Grund, um Rückblick zu halten.

Halberstadt l Freude, Stolz über das Erreichte, aber auch "Dankbarkeit gegenüber all jenen Menschen, die den Anstoß zur friedlichen Revolution in Halberstadt gegeben haben", wie Volker Bürger sagte, kennzeichneten die Atmosphäre der Stunde der geschichtlichen Erinnerung am Mittwochabend in Halberstadt. Das Team vom Städtischen Museum und der Geschichtsverein hatten Initiatoren der Bürgerprotestbewegung in Halberstadt, Gründer, Mitglieder und Unterstützer des Neuen Forums dazu eingeladen.

Den Rahmen für das Treffen bildete die am 22. November eröffnete Sonderausstellung des Museums, die den titel "Lichtgrafik und Lichtblicke ..." trägt. Wie in einem Brennglas bündelt die Exposition die geschichtliche Situation von vor 25 Jahren und der Gegenwart und lässt ein beeindruckendes Bild des Wandels entstehen. Bilder, die für Monika Hinz die Zeit des Aufbruchs zu neuen Ufern mit ihren Hoffnungen, Erwartungen und auch Ängsten als so gegenwärtig erscheinen lassen, als sei es erst gestern gewesen.

Stellvertretend für alle Akteure der friedlichen Revolution in Halberstadt wird Johann-Peter Hinz gewürdigt, von dem zwei Skulpturen "Der Schrei" und "Kostbarkeit" in der Ausstellung gezeigt werden.

Besondere Aufmerksamkeit wird der städtebaulichen Entwicklung Halberstadts und seiner Ortsteile in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten gewidmet. Eindrucksvoll ist in diesem Zusammenhang die Gegenüberstellung von Verfall und Rettung der Halberstädter Altstadt. Denn, wie Museumsdirektor Armin Schulze, den Stadtarchitekten und langjährigen Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Rainer Schöne, zitierend, sagte "ohne Wende, ohne Modellstadtprogramm wäre Halberstadt nicht zu retten gewesen".

Hier setzt auch ein dreißigminütiger Film an, den der MDR für die Sendereihe "Der Osten - Entdecke, wo du lebst" drehen wird. Unter mehreren zur Auswahl stehenden Städten in Sachsen-Anhalt sei die Wahl sehr schnell auf Halberstadt gefallen, weil hier die Stadtsanierung und -erneuerung am deutlichsten nachvollziehbar sei, so die Filmemacher Anja Walczak und Sven Stephan, die zu Gast bei der Stunde der Erinnerung waren.

Einen adäquaten künstlerischen Ausdruck erhält die Ausstellung über Lichtblicke durch Lichtgrafiken, die die partnerschaftlichen Beziehungen zu Wolfsburg reflektieren. Die Grafiken stammen von Steffen Kluge, der 1991 als erster Künstler aus der niedersächsischen Stadt eine Ausstellung in Halberstadt zeigte. Seine Fotoarbeiten werden häufig mit Arbeiten des Fotografen und Bauhauskünstlers László Moholy-Nagy verbunden.

Resümierend sagte Stadtratspräsident und Geschichtsvereinsvorsitzender Volker Bürger: "Die Ausstellung ist eine sehr intensive Erinnerung an eine Situation in Halberstadt, die Gott sei Dank 25 Jahre zurückliegt, die aber auch vor Augen führt, wie viel wir in den letzten 25 Jahren erreicht haben".

Die Ausstellung "Lichtgrafik und Lichtblicke ..." wird noch bis Anfang März gezeigt. Das Buch "Der Flug der Hummel", gleichsam als Begleitung und Ergänzung der Ausstellung, ist im Städtischen Museum ebenfalls erhältlich.