Seit 2002 laufen die Vorbereitungen, nun soll im Mai Baustart sein. Die 100 Jahre alte Hauptwasserleitung in Halberstadt wird durch neue Rohre ersetzt. Fünf Jahre wird der komplette Austausch dauern.

Halberstadt l Als im April das Wasser aus der Straße sprudelte, hatten die Arbeiten für den Austausch der Hauptwasserleitung längst begonnen. "Wir standen in der Kritik, weil wir nach diesen Rohrbrüchen nicht gleich mit einem Ersatz der alten Leitungen begonnen haben. Aber, so unglücklich die zwei Rohrbrüche kurz hinter- einander auch waren, es war wichtig, das gesamte Konzept im Blick zu behalten", sagt Stadtwerkechef Bodo Himpel. Schließlich wurde in seinem Haus seit 2002 der Austausch der alten Graugussleitung vom Kluswasserwerk ins Stadtzentrum bereits vorbereitet.

Helmut Bruckert, verantwortlich für das Leitungsnetz der Stadtwerke, erklärt, warum es eines so langen Vorlaufs bedufte: "Diese Leitung ist die Hauptschlagader der Trinkwasserversorgung. Wir müssen sicherstellen, dass bei Arbeiten an dieser Trasse die Versorgung stabil ist. Deshalb haben wir zunächst eine Art Ringschluss gelegt." Für 400 000 Euro kam ein großes Wasserrohr in der Quedlinburger Landstraße Richtung Zentrum ins Erdreich. Insgesamt wurden von 2002 bis 2014 rund 750 000 Euro in "Parallelleitungen" und Bauvorbereitung investiert. Nun kann bei einer Havarie an der Hauptleitung der Großteil der Halberstädter dennoch ihr Wasser einfach aus dem Hahn laufen lassen. Den Anwohnern von Klus- und Neupertstraße nutzt diese Umleitung nur teilweise, denn ihre Hausanschlüsse stammen zum Großteil ebenfalls aus dem Jahr 1915, Die Grundstücke sind zumeist direkt mit dem Hauptrohr verbunden.

Dass das Rohr mit gut einem halben Meter Durchmesser überhaupt so lange gehalten habe, zeuge von der Qualität des Materials und der Arbeit damals, sagt Fachmann Bruckert anerkennend. Wobei er sich nicht sicher ist, ob man damals überhaupt über die Nutzungsdauer nachdachte. "Jedenfalls haben wir bereits viele der zu DDR-Zeiten im Stadtgebiet verlegten Rohre austauschen müssen, das alte hier hat 100 Jahre gehalten."

Um das gut 1,5 Kilometer lange Graugussrohr zu ersetzen, habe man seit 2006 finanzielle Rücklagen gebildet und mehrere Varianten geprüft, berichtet Helmut Bruckert. Vor allem das sogenannte Inlinerverfahren sei intensiv in Betracht gezogen worden. Dabei wird in das alte Rohr ein neues Kunststoffrohr eingezogen. Der Charme des Ganzen: Man muss Straße oder Gehweg nicht auf der ganzen Länge aufbaggern. Letztlich habe man sich aber doch für genau diese klassische, offene Bauweise entschieden. "Für das Inlinerverfahren muss das Rohr vorher aufwändig gereinigt werden, wir müssen überirdisch eine Ersatzleitung legen und anschließend die Hausanschlüsse neu anbinden." Das wäre in Summe nicht preiswerter geworden. Nun läuft die Versorgung während der Bauarbeiten durch die alte Leitung, parallel werden die neuen Wasserrohre ins Erdreich gepackt und die Hausanschlüsse vorbereitet.

"Das dauert alles, ist aber unumgänglich", sagt Bruckert. Sorgfalt sei gefragt, schließlich gelten strenge Vorschriften für die Qualität des Trinkwassers. Davon fließen in Halberstadt, Klein Quenstedt und Emersleben jedes Jahr rund 1,6 Millionen Kubikmeter durch 200 Kilometer Hauptleitungen und 100 Kilometer Hausanschlussleitungen. Zu DDR-Zeiten waren es auch schon mal 8 Millionen Kubikmeter Trinkwasser.