Die am Sonntag im Gleimhaus eröffnete Ausstellung "Neues Leben für alte Bücher" gibt einen Einblick in das Buchpaten-Programm. Zu sehen sind restaurierte Bände sowie Bücher, die noch auf ihre Wiederherstellung warten.

Halberstadt l Sammeln, bewahren, erforschen und dokumentieren, ausstellen und vermitteln seien die grundlegenden Aufgaben des Museums der deutschen Aufklärung, betonte dessen Direktorin, Ute Pott, in ihrer Rede zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung.

Bis auf das Ausstellen und Vermitteln geschehe alles andere zumeist hinter verschlossenen Türen. Mit der Schau "Neues Leben für alte Bücher" wolle man die Aufmerksamkeit der Besucher insbesondere auf die historische Bibliothek des Hauses, auf die notwendige Restaurierung von Büchern und das Buchpaten-Programm lenken.

Rund 12 000 Bücher aus der Zeit vom 15. bis frühen 19. Jahrhundert vereint die historische Bibliothek. Die Mehrzahl befindet sich in einem guten Zustand und kann für Forschungszwecke genutzt werden. Doch ein Teil des Bestandes weist Beschädigungen auf. Hierbei handelt es sich vor allem um Bände, die in den 1990er Jahren aus ehemaligen Sowjetrepubliken wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehrten. Im Zweiten Weltkrieg in ein Bergwerk ausgelagert und dann von der Roten Armee als "Beutebücher" in die Sowjetunion verbracht, fristeten die Druckwerke ein trauriges Dasein. Oftmals in den Verpackungskartons verblieben, nahmen viele Schäden.

Einige der 800 zurückgekehrten Schriften waren nicht nur verschmutzt, sondern wiesen starke Lager- und vor allem Feuchtigkeitsschäden auf.

Rund 100 "Beute-Bücher" lagern noch immer in säurefreien Kartons, weil sie so sehr beschädigt sind, dass sie nicht in die Bibliothek von Museum und Forschungsstätte einsortiert werden können. "Um die geschädigten Bände für uns und andere wieder nutzbar zu machen, müssen sie restauriert werden", erklärte Ute Pott. Das sei eine meist langwierige, aufwendige und kostspielige Aufgabe.

Vor neun Jahren hatte Annegret Loose die Idee, Buchpatenschaften zur Erhaltung und Bewahrung der wertvollen Kunstschätze zu vergeben. Ein Jahr später waren die ersten gewonnen, weitere folgten dank der hartnäckigen Werbung durch die Bibliothekarin. Heute sind es über 30 Frauen und Männer, mit deren Spenden fast 40 alte Bücher zu neuem Leben erweckt wurden. Diese Aufgabe übernehmen mit Cornelia Hanke, Cordula Teuffert und Ute Schiborra drei erfahrene Restauratorinnen.

Die neue Ausstellung solle auch ein Dankeschön sein an die Buchpaten, zu denen sich seit Ankündigung der Schau neue hinzugesellt haben, so dass die Auflistung der Namen einer Ergänzung bedurfte. Mit den Patenschaften seien viele kleine Geschichten verbunden, sagte Ute Pott. So habe Familie Carl Eberhard und Gisela Becker anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit auf Geschenke verzichtet und eine Patenschaft übernommen.

Reinhard Schielicke aus Jena half, einen kunstvollen Himmelsatlas aus dem 18. Jahrhundert zu retten, indem er einen Förderantrag gestellt hat bei der Stiftung Buch und Wissen, die dann die Kosten für die Buchrestauration übernommen hat. Mit Dr. Hanna Spiller habe die Tochter eines Buchbinders, mit dem das Gleimhaus über Jahre zusammengearbeitet hat, eine Patenschaft übernommen.

Buchpaten wählen ein Buch in schlechtem Zustand aus, spenden das Geld und erhalten eine Dokumentation über die Restaurierung. Außerdem werden ihre Namen bei Einverständnis auf der Internetseite des Gleimhauses und in den "Gemeinnützigen Blättern" des Förderkreises genannt. Ein neues Dankeschön, das am Sonntag an alle Paten überreicht wurde, ist ein dickes Buch "Kulturgüter im Zweiten Weltkrieg. Verlagerung - Auffindung - Rückführung", herausgegeben von der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg.

"Ich danke allen, die uns bisher auf dem Weg begleitet haben und uns künftig unterstützen wollen", sagte die Direktorin, "mit dieser Arbeit sorgen wir gemeinsam dafür, dass die Zeugnisse der Vergangenheit dauerhaft erhalten bleiben und genutzt werden können."

Während die Restauratorinnen im Foyer des Gleimhausanbaus an Beispielen erläuterten, wie beschädigte Bücher wieder aufgearbeitet werden, führte Annegret Loose die Besucher durch die Ausstellung. In den Räumen, die früher Gleims Bibliothek beherbergten, werden gerettete Bücher mit den dazu gehörenden Protokollen gezeigt. Zu sehen sind dort auch Bücher, die noch auf eine fachgerechte Behandlung warten. Ein Katalog listet für Interessenten auf, welche "Patenbücher" besonders dringend eine Restaurierung nötig haben.

Die Ausstellung "Neues Leben für alte Bücher. Restaurierungspatenschaften ist bis zum 8. März zu sehen.