Langelsheim (dl) l Kleiner Rückschlag für das Luchsprojekt im Harz: Ein Jungtier ist am Montagabend auf der B 82 bei Langelsheim/West angefahren worden und verendet. Vertreter der Nationalparkverwaltung bestätigten einen Bericht der Polizeiinspektion Goslar. Laut Polizei war das Tier gegen 19 Uhr - vermutlich nach einer Kollision mit einem Lkw - am Fahrbahnrand entdeckt worden. Da aus dem Böschungsbereich Rufe von Luchsen zu hören waren, sei die Stelle abgesichert und der Luchsbeauftragte des Harzes informiert worden, so ein Polizeisprecher.

Wie Nationalpark-Sprecher Friedhard Knolle sagte, sei die Bundesstraße 82 hinsichtlich der Wildunfälle generell ein Problempunkt. "Wir haben hier eine vergleichsweise starke Wildbewegung aus den Harzwäldern heraus in Richtung Norden zu den Waldbereichen rund um Lutter. Entsprechend zahlreich sind - auch wegen des hohen Tempos der Fahrzeuge auf der B 82 - die Unfälle", so Knolle.

Bislang 13 tote Luchse

Mit Blick auf die vor 15 Jahren wieder im Harz angesiedelten Luchse spricht Knolle indes von einer positiven Tendenz. "Wir haben bei der Wildkatze insgesamt erstaunlich wenig Verkehrsverluste, damit hätten wir beim Start des Wiederansiedelungsprojektes nicht gerechnet." Das bestätigt der Luchsbeauftragte des Nationalparks, Ole Anders: "Wir haben in den 15 Jahren etwa 13 tote Luchse an Straßen und Bahnstrecken gehabt", sagt er. Das erscheine auf den ersten Blick zwar wenig, müsse jedoch ins Verhältnis zur Gesamtpopulation gesetzt werden. In unmittelbarer Nähe des jetzt getöteten Jungtieres seien auch schon Luchse von einem Zug überfahren worden. Wie viele Luchse gegenwärtig in den Harzwäldern leben, sei unklar. Gegenwärtig werde ein mehrmonatiges Fotofallen-Projekt ausgewertet, um verlässliche Zahlen zu bekommen.

Gleichwohl plädieren sowohl Friedhard Knolle als auch Ole Anders dafür, über bauliche Konsequenzen nachzudenken. "Aufgrund der starken Wild-Wanderungstendenz in Richtung Lutter, müsste an der B 82 dringend über den Bau einer Grünbrücke diskutiert werden", sagt Knolle. Ole Anders bringt auch die Bundesstraßen 242 und 243, die den Harz im Westen tangieren, ins Gespräch. Auch dort seien Wildbrücken wünschenswert.

Solche Grünbrücken sollen Wildtieren das Passieren von stark frequentierten Straßen erleichtern und Unfälle vermeiden. Eine Wildbrücke befindet sich beispielsweise an der B 6 unmittelbar neben der Abfahrt Westerhausen. Mit ihrem Bau wird dem Wanderungskorridor von Tieren zwischen dem Harz und der bewaldeten Region Klusberge und Huy entsprochen.

Beim jetzt getöteten Luchs handelt es sich nach Anders` Worten um ein vermutlich im Sommer 2014 geborenes Jungtier. Es soll jetzt genauer untersucht werden.