Warnstedt/Thale l Damit hatte Max Meier (Name geändert) absolut nicht gerechnet: Ein fataler Fehlgriff hat vor wenigen Tagen dazu geführt, dass der langjährige Jäger aus dem Thalenser Ortsteil Warnstedt öffentlich ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, buchstäblich an den Pranger gestellt wurde und am Ende fast selbst zum Gejagten wurde. "Dabei wollte ich eigentlich nur helfen", stammelt der 70-Jährige im Gespräch mit der Volksstimme. "Das alles tut mir einfach nur wahnsinnig leid, das wollte ich absolut nicht."

Was war passiert? Der Jäger hatte mehrere Füchse und einen Waschbären, den er erlegt hatte, an einem Baum in seinem Garten aufgehängt und damit für ein geradezu martialisch anmutendes Bild gesorgt. Eines, an dem Passanten Anstoß nahmen. Der Rest war gewissermaßen ein Selbstläufer. Fotos von den am Baum hängenden Tieren wurden über soziale Netzwerke breit gestreut und Max Meier zum vermeintlich skrupellosen Täter. Brutale Tierquälerei wurde ihm vorgeworfen - so etwas dürfe nicht geduldet werden, so der Tenor der Debatte.

Meier selbst bedauert dies und sieht sich zu Unrecht in der Kritik: "Leute aus dem Dorf sind zu mir gekommen, weil ihnen Füchse viele Hühner und Gänse weggeholt hatten. Sie wissen, dass ich Jäger bin und baten mich, etwas zu unternehmen", erklärt er die Dinge aus seiner Sicht. Teilweise seien die Füchse sogar am helllichten Tag durch den Ort gezogen.

"Das geht natürlich nicht - im Ort kann ich natürlich nicht jagen", sagt Meier, der nach eigenen Worten seit 1987 Jäger ist. "Als ich dann aber die Tiere zuhauf außerhalb auf einer Wiese gesehen habe, griff ich doch zur Schrotflinte." Mit Erfolg: Vier Füchse und einen Waschbären habe er erlegt. Weil ein Bekannter davon hörte und Interesse an einem Fuchspelz signalisierte, habe er die Tiere aufgehängt. "Leider an einer völlig falschen Stelle."

Jens Schneidewind, Revierförster im Thalenser Ortsteil Friedrichsbrunn und Vorsitzender der Jägerschaft, schüttelt auch mit dem Kopf: "Keine Frage, das kann man so nicht machen. Da fehlt einfach das nötige Feingefühl." Er kenne den betreffenden Jäger, dessen Namen er nicht nennen will, jedoch als erfahrenen Weidmann. Und der habe grundsätzlich nicht falsch gehandelt: "Füchse mit Schrot zu erlegen und dann so aufzuhängen, ist erstmal nicht falsch. Allerdings hätte man das nie an dieser Stelle machen dürfen und auch nicht am Kopf, sondern irgendwo abseits, wo sich niemand gestört sieht. Das Wo und das Wie ist entscheidend", so der Jäger. Er werde auf jeden Fall mit dem Betreffenden sprechen, um ihn zu sensibilisieren.

Was wahrscheinlich gar nicht mehr nötig ist: Max Meier ist mittlerweile über sich selbst entsetzt: "Es war ein großer Fehler, der mir sehr leid tut. Ich möchte mich dafür in aller Form entschuldigen."