Wernigerode l Bisher erhält die Harzer Schmalspurbah- nen GmbH (HSB) jährlich rund 5,1 Millionen Euro Finanzzuschüsse zum Betrieb ihres 140,4 Kilometer langen Netzes vom Land. Für Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) ist das eine Summe, die er angesichts der enormen Bedeutung des Fremdenverkehrs in der Region für "nicht ausreichend" hält.

Der Politiker zeigte sich deshalb am Mittwoch bei seinem Besuch in Wernigerode sehr zufrieden, einen erweiterten Vertrag präsentieren zu können. Die zwischen der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) und dem Unternehmen geschlossene Vereinbarung sehe eine zusätzliche Zahlung in Höhe von circa 3,8 Millionen Euro bis 2019 vor.

2015 bis 2017 würden demnach jährlich etwa 800 000 Euro, 2018/2019 jeweils rund 700 000 Euro fließen. Webel: "Mit diesem Geld wollen wir dazu beitragen, die HSB langfristig zu stabilisieren." Wegen der derzeitigen Geltungsdauer des Entflechtungsgesetzes sei der neue Kontrakt zunächst nur auf fünf Jahre begrenzt.

"Die HSB steht über allen anderen touristischen Angeboten", betonte Peter Gaffert. Wernigerodes Oberbürgermeister (parteilos), der zugleich als Aufsichtsratsvorsitzender der Schmalspurbahner fungiert, erinnerte daran, dass die Finanzierung "nicht so einfach ist". Das habe sich in der Vergangenheit gezeigt.

Durch die Verlängerung zweier Verträge mit dem Freistaat Thüringen im Dezember 2014 sei dafür ein weiterer großer Schritt gelungen. Dies alles zusammen, so Gaffert, "gibt uns Planungssicherheit". Und: "Wir sind gut aufgestellt, aber wir haben noch zwei, drei Baustellen."

"Wir sparen das bürokratische Verfahren ein."

Jörg Bauer, HSB-Betriebsleiter

Welche das sind, erläuterte HSB-Betriebsleiter Jörg Bauer im Gespräch mit der Volksstimme. So sollen die Gleise auf den Strecken Wernigerode (Malzmühle), Benneckenstein-Eisfelder Talmühle und Stiege-Birkenmoor erneuert werden. Vorgesehen sei zudem die Rekonstruktion des Bahnsteigs I auf dem Brocken. Ebenfalls im Plan stehe die Installation einer Schrankenanlage auf dem bisher nur durch Andreaskreuze gesicherten Übergang Sternhaus Haferfeld. Bei letzterem fehle allerdings noch eine entsprechende Kreuzungsvereinbarung.

"Wir sparen das bürokratische Verfahren ein", begrüßte Bauer den Vertragsabschluss. Bisher habe die HSB ihre Projekte statt zu Beginn eines Jahres erst dann ausschreiben können, wenn der Förderbescheid vom Land vorlag. Dadurch sei regelmäßig eine Situation für die infrage kommenden Fachfirmen entstanden, die der Betriebsleiter als "Dezemberfieber" bezeichnete.

"Alle Vorhaben sind derzeit in Planung", sagte HSB-Sprecher Dirk Bahnsen auf Nachfrage. Deshalb ließen sich noch keine konkreten Summen nennen. Der Kommunikationschef: "Eine Gleissanierung kostet aber zum Beispiel pro Kilometer etwa 700 000 bis 800 000 Euro."

Keine Rolle spielten bei der Minister-Visite übrigens die Pläne der Schmalspurbahner für die Errichtung einer sogenannten "Gläsernen Werkstatt" auf dem Wernigeröder Ochsenteichgelände. Thomas Webel auf Nachfrage: "Ich bin nicht zuständig." Hierbei handele es sich um eine gewerbliche Investition. Wenn der Vertrag dafür allerdings Spielräume hergebe, "wird sich das Land nicht sperren".

Da dies offensichtlich nicht der Fall ist, müsse nach einem anderen Weg gesucht werden, die notwendige Summe aufzubringen. Laut Betriebsleiter Bauer könnte das theoretisch ein Kredit sein.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Brachmann favorisiert hingegen eine Einzelfinanzierung aus Magdeburg. Schließlich ließen sich durch die Errichtung solch einer Werkstatt dauerhaft Betriebskosten sparen, sagte der Drübecker der Volksstimme.