Wernigerode/Thale (im) l Die Pläne zur Errichtung eines Baumwipfelpfades im Bodetal bei Thale werden von den vier Naturschutzverbänden im Harzkreis abgelehnt. Die 60 Teilnehmer haben dazu am Sonnabend bei ihrer Jahreshauptversammlung in Wernigerode einstimmig einen "Offenen Brief" gebilligt. Darin sehen die Verfasser die unverbaute Ur-Natur der Landschaft bedroht. Nur wenige Meter vom Steilhang des Roßtrappenplateaus beziehungsweise von der Grenze des Naturschutzgebietes entfernt soll ein technisches Großbauwerk entstehen - eine Aussichtsplattform mit mehr als 100 Meter Länge, die von elf Stahlstützen mit einer Höhe von zehn bis 25 Meter getragen wird. Planerisch werde von jährlich 36 000 bis 48 000 Nutzern dieses Punktes ausgegangen. Bedingt durch seine Funktion werde diese Konstruktion nicht durch Baumkronen des Harzwaldes verdeckt. Um Zustimmung für die Umsetzung des Projektes zu erhalten, hätten die Vorhabenträger es in das "Gewand" eine Baumwipfelpfades gekleidet, der Wissen über naturnahe Waldwirtschaft und vor allem Natur- und Umweltschutz vermitteln soll. Die Verbände: "Diese Argumentation macht es nicht jedem leicht, zu erkennen, das es sich im konkreten Fall um einen \'Etikettenschwindel` handelt." Und: "Die Realisierung des Vorhabens am vorgesehenen Standort würde das Gegenteil von nachhaltigem Natur- und Umweltschutz darstellen." Die Teilnehmer der Veranstaltung appellieren daher an alle Entscheidungs- und Verantwortungsträger sowie die Bürger des Harzkreises, die irreversible Beschädigung einer für Deutschland einmaligen Landschaft durch "ein nicht notwendiges technisches Großbauwerk" nicht zuzulassen. Entscheidungen, die dem Grundsatz der Nachhaltigkeit nicht entsprechen, seien zu korrigieren. Die Unterzeichner: "Wir fordern die Landesregierung auf, in keiner Form Landeswaldflächen für das Bauvorhaben zur Verfügung zu stellen beziehungsweise dafür Landeswald zu verkaufen."