Osterwieck (mhe) l Dem ersten deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck ist im Osterwiecker Heimatmuseum eine Sonderschau gewidmet. Am Donnerstagnachmittag wurde sie eröffnet. Anlass ist der 200. Geburtstag Bismarcks am 1. April.

Ulrich Katzorke aus der Gruppe der Ortschronisten war es ein Bedürfnis, diese Schau auf die Beine zu stellen. Zahlreiche Bücher und Gegenstände stammen aus seiner privaten Sammlung. Zur Eröffnung sprach er über das Leben Bismarcks und offenbarte sich als belesener Kenner, indem er manch Anekdote zum Besten gab. So stellte der Chronist den Reichskanzler als Hundefreund, Liebhaber alter Bäume, aber auch einen korpulenten Mann vor, der lange einen äußerst ungesunden Lebensstil pflegte. Erst spät habe ihn sein Leibarzt von einer gesunden Lebensweise überzeugt. In den ersten Jahren als Reichskanzler sei er körperlich stark angeschlagen gewesen.

Katzorke hatte die wichtigsten Lebensstationen Bismarcks im Sachsenwald bei Hamburg und im heutigen Polen selbst bereist.

Aus dem politischen Wirken Bismarcks stellte Ulrich Katzorke die Sozialgesetze heraus, die der Reichskanzler gegen Widerstände durchgesetzt habe und die bis in die heutige Zeit wirken. Dazu zählen die Pflichtmitgliedschaft der Arbeitnehmer in einer Krankenkasse, ein Unfallversicherungsgesetz mit Gründung von Berufsgenossenschaften sowie die Rentenversicherung. Damals wurde die Rente ab dem 70. Lebensjahr gezahlt, wie der Chronist anmerkte. Auch ein Sterbegeld für Hinterbliebene wurde eingeführt.

Vorher hatte Bismarck aber auch das Sozialistengesetz initiiert, das gegen sozialistische und sozialdemokratische Organisationen und deren Aktivitäten gerichtet war.

Bismarck weilte des Öfteren im Harz

Katzorke berichtete, dass Bismarck oft in Wernigerode und dem Harz weilte. Sein Stellvertreter Otto zu Stolberg-Wernigerode war dort zu Hause. Der Reichskanzler habe häufig die Uniform der Halberstädter Kürassiere getragen, deren Chef er in den letzten Lebensjahren war. Und er sei Ehrenbürger der Stadt Halberstadt geworden. 1898 ist Otto von Bismarck, der in der Altmark geboren wurde, verstorben.

Osterwieck hat seine Beziehungen zu Bismarck durch den nach ihm benannten Turm am Fallstein, damals durch Spenden der Einwohner erbaut. Bürgermeister Ingeborg Wagenführ (Buko) äußerte sich erfreut, dass sich heute noch Bürger für den Bismarckturm, der mehrere politische Systeme überstanden hat, engagieren. Mithilfe einer Spendenaktion über den Fremdenverkehrsverein wird der Einbau einer neuen Treppenanlage angestrebt.

Bismarcktürme stehen in der Nähe auch in Halberstadt, Wittmar und Goslar.

Die Sonderschau im Heimatmuseum bleibt bis Ende November aufgebaut.