Der Harz ist beim Durchzug des Sturmtiefs "Niklas" buchstäblich mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar waren die Feuerwehren Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch pausenlos im Einsatz - es gab jedoch keine Verletzten.

Halberstadt l Hinter Martin Eggert liegen nervenaufreibende Stunden. Stunden, in denen der Leiter des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte (LBZ) in Halberstadt zig Dinge klären musste, um die Auswirkungen des großen Sturmschadens in Grenzen zu halten. Am Dienstagabend hatte eine heftige Windböe das Flachdach eines Gebäudes auf geschätzten 500 Quadratmetern abgerissen und die Dachhaut kurzerhand umgeklappt. Der Schaden ist zwar immens, hat aber nach Eggerts Worten keinerlei Auswirkungen auf den Schulbetrieb und die Unterbringung der Internatsschüler. "Wir hatten zumindest in diesem Punkt Glück", so der Schulleiter.

Das gilt mit Blick auf Sturmtief "Niklas" für den Harz-Kreis insgesamt. Zwar waren die Feuerwehren ab Dienstagnachmittag pausenlos im Unwettereinsatz - die Leitstelle registrierte weit über 200 Einsätze. Meist handelte es sich jedoch um umgestürzte Bäume, Äste, die abzubrechen drohten, oder lose Dachziegel.

"Wegen des starken Windes können wir erst am Donnerstag mit der Reparatur beginnen."

Stefan Schäfer, Kranunternehmer

Aufgrund der Vielzahl von Sturmschäden wechselten die Mitarbeiter der Kreisleitstelle in den Nachmittagsstunden in den sogenannten "Unwettermodus". Dabei werden den jeweiligen Wehren die gemeldeten Schäden per Mail oder Fax übermittelt - über die Reihenfolge der Abarbeitung entscheiden die jeweiligen Wehrleitungen eigenständig.

Eile war indes bei einem Unfall zwischen Ballenstedt und Hoym geboten. Dort warf eine Böe den leeren Hänger eines Lkw um - der Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Zwischen Schierke und Drei Annen Hohe stürzte ein Baum auf die Straße - der Fahrer eines VW-Transporters konnte nicht mehr rechtzeitig stoppen. Laut Polizei blieb es auch hier bei Sachschaden und einem gehörigen Schrecken. Während "Niklas" bundesweit insgesamt elf Menschenleben forderte, kam der Harz-Kreis buchstäblich mit dem blauen Auge davon: Über Verletzte ist nichts bekannt.

Während es vielerorts am Mittwoch ans Aufräumen ging, wird die Reparatur beim LBZ in Halberstadt noch länger dauern. Bei dem Sturmschaden, der gegen 18.30 Uhr mit einem lauten Knall das Dach abhob, hatten Mitarbeiter und Schüler den Schutzengel auf ihrer Seite: Verletzt wurde niemand, berichtete Schulleiter Martin Eggert sichtlich erleichtert. Und: "Die Feuerwehrleute haben lose Teile und Komponenten der Blitzschutzanlage, die die Fenster zu beschädigen drohten, danach rasch entfernt."

Mehr war auf die Schnelle und in der Nacht nicht möglich. Die herunterhängende Dachhaut samt Dämmung muss nun mit Hilfe von Technik zunächst zurückgeschoben und dann demontiert werden. "Dafür brauchen wir einen Kran und eine Hebebühne", erklärte Thomas Hennig von der Quedlinburger Dachbau GmbH. "Wegen des noch recht starken Windes können wir damit erst am Donnerstagmorgen beginnen", sagte Stefan Schäfer vom gleichnamigen Kranunternehmer am Mittwoch.

Die Höhe des Gesamtschadens ist nach den Worten von Schulleiter Eggert unklar. Die Auswirkungen auf den Schulbetrieb im LBZ halten sich trotz des Schadens in Grenzen. Der Grund: Bei der Sanierung von Dach und Fassade vor etwa fünf Jahren war auf das ursprüngliche, zu DDR-Zeiten errichtete Dach aufgebaut worden. "Diese alte Dachhaut verhindert jetzt zum Glück größere Feuchtigkeitsschäden", sagte Eggert. Nach der Demontage müsse erst einmal provisorisch abgedichtet werden, um die Zeit bis zur eigentlichen Reparatur zu überbrücken.

Bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) sind die Aufräum- arbeiten derweil beendet: "Wir hatten sehr viele umgestürzte Bäume in den Gleisen liegen und mussten uns langsam vorantasten. Außerdem war hinauf zum Brocken der Schneepflug wieder gefragt", sagte HSB-Sprecherin Heide Baumgärtner. Nun sei es aber geschafft. Ab 13 Uhr rollten am Mittwoch wieder die Züge rauf Richtung Brocken, wenig später auch nach Nordhausen.

Etwas länger dauerten die Aufräumarbeiten nach dem Erdrutsch im Selketal bei Alexisbad. Dort waren am Dienstag Teile eines Abhangs samt großer Schieferplatten auf die Gleise gerutscht. "Die Arbeiten werden bis zum Mittwochabend beendet sein, sodass unsere Züge ab Donnerstag wieder planmäßig durchs Selketal rollen wird", versicherte die HSB-Sprecherin am Mittwochnachmittag.

 

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