Halberstadt (sc) l "Aus der grauen Maus ist wieder eine schöne Stadt geworden", sagte am Donnerstag Manfred Gerner, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Fachwerkstädte (ADF), nach einem Rundgang durch Halberstadt. Gerner kennt Halberstadt seit 1985 und hat interessiert die Entwicklung verfolgt. "Es ist außergewöhnlich, was in Halberstadt seit 1990 geleistet worden ist, um die rund 400 noch vorhandenen Fachwerkhäuser zu erhalten."

Der Erhalt der Fachwerksubstanz, einer einzigartigen europäischen Baukultur, ist ein Schwerpunkt in der Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft. Dem vor 40 Jahren gegründeten Gremium gehören mittlerweile 130 Städte an, die eine besondere Kulturlandschaft darstellten und um die Deutschland oft beneidet werde, sagte Gerner während der Jahrestagung der ADF in Halberstadt.

Höhepunkt der Fachtagung war die Verleihung des nur alle fünf Jahre ausgelobten Deutschen Fachwerkpreises. Der mit 3000 Euro dotierte erste Preis ging dabei nach Ebersbach-Neugersdorf in Sachsen, wo demnächst eine weitere Route der Deutschen Fachwerkstraße etabliert werden soll. Der Fokus soll sich dort auf die Umgebindehäuser richten, von denen es nach dem Zweiten Weltkrieg noch knapp 40 000 gab. Inzwischen existieren nur noch 18 500, sagte Gerner.

An der Deutschen Fachwerkstraße, dem vor 25 Jahren gegründeten touristischen Ableger der Fachwerkstädte-Gemeinschaft, liegen rund 100 Orte. An der Nordroute zählen unter anderem Salzwedel, Halberstadt, Osterwieck, Wernigerode, Hornburg, Königslutter und Osterode am Harz dazu.

Gerner konstatierte während der Tagung, dass eine zweite Sanierungswelle einsetze, die anders als bisher, "die Fachwerkhäuser nicht nur bewohnbar macht, sondern besondere Gebäudequalitäten entwickelt".