Nach der Brandstiftung in zwei Kellern der Taubenstraße in Halberstadt werden Telekom-Kunden zunehmend sauer, weil ihre Leitungen noch immer nicht repariert sind. Kabelfernsehanbieter Primacom ist bereits fertig.

Halberstadt l Telekom, Telekom und nochmal Telekom. Bei der 80 Jahre alten Rosemarie Borgsdorf aus der Halberstädter Taubenstraße steht der Kommunikationskonzern mit dem magentafarbenen Look dieser Tage absolut im Fokus. Die Seniorin kämpft um die Reparatur ihrer Telefonzuleitung. Jenes Kabel wurde in der Nacht zum 26. April bei einem Brandanschlag in einem Nachbarhaus zerstört. Gut anderthalb Wochen später sind die Leitungen immer noch defekt und Rosemarie Borgsdorf sichtlich genervt.

Die Seniorin ist vor allem verärgert darüber, dass der Kommunikationsriese vergleichsweise "schwerfällig" und "wenig kundenfreundlich" agiere. Mehr noch: Nach dem Brandanschlag habe man ihr sogar allen Ernstes eine kostenpflichtige Reparatur in Aussicht gestellt. "Da war ich dann richtig sauer - ich habe doch den Brand nicht gelegt."

Aber der Reihe nach: Die Seniorin aus Haus Nummer 4 nutzt ihre Leitung sowohl zum Telefonieren als auch zum Fernsehen. Nach dem Brandanschlag auf den Nachbareingang Nummer 3 habe sie die Störung gleich am 27. April im T-Punkt gemeldet. "Einen Tag später war ein Monteur bei mir. Der war auch im Keller unten und hat festgestellt, dass dort die Leitung defekt ist und erneuert werden muss", sagt die Seniorin.

Was auf der Hand liegt: Im Keller jenes benachbarten Eingangs haben die Flammen gewütet. Von den hier für die Nachbareingänge durchgeführten Telefon-Leitungen sind lediglich verschmorte Reste übrig. Um das festzustellen, muss der Telekom-Beauftragte die betroffenen Kellerräume in Augenschein genommen haben. Eine klare Sache also, dürfte man meinen. Eine, die der Telekom seit 28. April bekannt gewesen sein muss.

Dennoch erklären die Mitarbeiter der Telekom-Pressestelle in Bonn noch eine Woche später, am 5. Mai, auf Volksstimme-Anfrage, dass die Kabelreparatur nicht erfolgen könne, weil "das Betreten der Brandräumlichkeiten derzeit noch nicht gestattet" sei. "Die Räume wurden polizeilich versiegelt", heißt es.

"Stimmt absolut nicht", kontert Polizeisprecher Uwe Becker. Er ist sichtlich verärgert, dass nun versucht werde, der Polizei die Schuld zuzuschieben. Direkt nach dem Feuer seien die Räume tatsächlich versiegelt worden, so Becker. Am 27. April habe die Kripo vor Ort ermittelt. Gleich danach sei die Versiegelung entfernt worden. "Das war am Montag, 27. April", so der Hauptkommissar.

Dass dem so ist, beweist der Blick auf andere Versorgungsträger, die längst erneuert sind. Auch Stefan Wloch vom Vermieter HaWoGe kann nur mit dem Kopf schütteln: "Ich habe am 27. April sowohl Primacom als auch die Telekom über die Schäden und die Entsiegelung informiert." Primacom reagierte prompt. Neue Kabel sind verlegt - "bis auf eine klitzekleine Sache, die vorher nicht erkennbar war, ist seit 4. Mai alles erledigt", so Sprecherin Susanne Dietrich.

Auch Stefan Wloch kann derweil von zig Telefonaten mit Telekom-Mitarbeitern in ganz Deutschland berichten: "Darin ging es immer nur um die Frage der Kostenübernahme und nicht etwa darum, den eigenen Kunden schnell zu helfen."

Das spürt auch Gert Leistner, der in der Taubenstraßen 10 ebenfalls betroffen ist. Fax, Telefon und Fernsehen - nichts funktioniert. Auch er ist sauer und fühlt sich von der Telekom hingehalten. Damit ist er in guter Gesellschaft mit Rosemarie Borgsdorf, die allein in ihrem Aufgang zwei weitere Betroffene kennt. Und die 80-Jährige empört vor allem, dass man ihr im T-Punkt die Kabelreparatur in Aussicht gestellt habe, wenn Sie sie in Auftrag gebe - für 100 bis 150 Euro, wie sie berichtet.

Mittlerweile keimt jedoch leise Hoffnung: Es hat sich wohl bis zur Telekom-Zentrale in Bonn herumgesprochen, wie die Dinge in der Taubenstraße wirklich liegen. Es habe zwischen Volksstimme-Anfrage und Entsiegelung eine Überschneidung gegeben, man arbeite nun an der Reparatur, heißt es. Es gebe zwei Störungsmeldungen, man arbeite an deren Behebung. Die Volksstimme bleibt am Thema dran.

 

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