Er ist ein Tausendsassa mit Herz, steht zwei Großvereinen vor, organisiert Hilfstransporte, ist beruflich Straftätern auf der Spur. Am gestrigen Mittwoch ist der Osterwiecker Ulrich Scholle 60 Jahre alt geworden.

Osterwieck l Ein Bonusjahr hat er noch genehmigt bekommen. Bisher sind alle in Osterwieck tätigen Polizeibeamten mit ihrem 60. Lebensjahr pensioniert worden. "Mir macht es auch mit 60 noch Spaß", sagt er. Und es reizt ihn, noch den einen oder anderen offenen Fall zu lösen.

Seit 13 Jahren ist der Kriminalhauptmeister in Osterwieck tätig. Mit seiner Ortskenntnis wurde er für diese Stelle, die damals eingerichtet wurde, ausgewählt. Zeitweise saßen bis zum drei Kriminalbeamte hier. "Wir haben verschiedene Serienstraftaten geklärt." Zurzeit sind es zwei Kriminalisten, ab Sommer ist Scholle allein. 2014 bearbeiteten sie 800 Vorfälle im Bereich Osterwieck, Huy bis Schwanebeck.

Ulrich Scholle ist erst zur Hälfte seiner 60 Lebensjahre Osterwiecker geworden. Geboren in Berlin, durch die berufliche Tätigkeit seiner Eltern oft umgezogen, landete er als Lehrling in Halberstadt. Er wurde Fahrzeugschlosser und ging dann zehn Jahre zu den Luftstreitkräften nach Peenemünde. 1984 wurde Osterwieck seine Heimat. Anneliese Scholle, seine Mutter, war hier seit 1973 Bürgermeisterin, sein Vater arbeitete als Lehrer.

1984 begann auch Ulrich Scholles Polizeidienst. Erst in Halberstadt, dann folgte ein Studium, 1988 wurde er Nachfolger von Egon Schwarzbach als ABV. Die Nachwendezeit führte ihn wieder nach Halberstadt - zur Kripo. Dort bearbeitete er u. a. Drogendelikte, Sonderfälle und bildete junge Kriminalisten mit aus.

"Notruf Ukraine - Polizisten helfen" heißt ein Verein, der Hilfstransporte für die Menschen in Osteuropa organisiert und dem heute längst nicht mehr nur Polizisten angehören. Ulrich Scholle war 2002 dessen Gründungsvater und ist heute der Vorsitzende von 146 Mitgliedern. Erst am Wochenende beim Osterwiecker Reformationsfest hatte sich der Verein wieder eingebracht.

Voriges Jahr kam noch ein Vereinsvorsitz hinzu - beim Schützenverein in Hoppenstedt, dem Ort, in dem Scholles zwischendurch einige Jahre gewohnt haben. Knapp 100 Mitglieder zählt dieser Verein. Ulrich Scholle hat also keine Sorge, dass er mit seiner Pensionierung in einem Jahr im Schaukelstuhl ruhen wird.

Aus dem Osterwiecker Rathaus kam gestern am Geburtstag gleich eine größere Delegation zum Gratulieren ins Polizeigebäude über den Markt. Als Anerkennung für die gute Zusammenarbeit, wie Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) betonte. Zum einen auf das dienstliche Miteinander bezogen, zum anderen auf das ehrenamtliche Engagement als Privatperson und Vereinsvorsitzender für die Stadt. So bringt sich Ulrich Scholle auch in die Organisation des Osterwiecker Weihnachtsmarktes ein.

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