Als sechster und letzter Ortschaftsrat mussten die zehn Osterwiecker Abgeordneten einen Ortsbürgermeister wählen. Im Ergebnis bleibt Ulrich Simons (CDU) im Amt - durch einen Losentscheid.

Osterwieck l Glückspilze sehen anders aus. "Glücklich bin ich nicht", sagte Ulrich Simons am Donnerstagabend, unmittelbar nachdem er das Los mit seinem Namen gezogen hatte. Er musste selbst ziehen und nicht sein Kontrahent Sascha Neuhäuser (43/SPD) oder ein Dritter.

Fast hatte es nach der Entscheidung den Anschein, Simons würde auf das Amt verzichten wollen, doch am Freitag bekräftigte er, dass er die Wahl annimmt. "Dass fünf Leute gegen mich sind, darüber bin ich erschüttert", sagte er. Noch mehr ärgerte ihn aber wohl, dass auch mindestens einer aus seinen eigenen CDU-Reihen gegen ihn gestimmt haben muss. Im Vorfeld hatte er sich noch deren Unterstützung vergewissert. Es seien auch die eigenen Leute gewesen, die ihn ermuntert hätten, nach 21 Amtsjahren nochmal anzutreten, weil kein anderer der CDU-Abgeordneten wollte. Ursprünglich habe der 72-Jährige jetzt aufhören wollen.

Drei Abgeordnete stellten sich auf der Ratssitzung am Donnerstagabend der Wahl. Ulrich Simons hatte seine Kandidatur schon auf der vorhergehenden Versammlung angekündigt. Auf der Wahlsitzung meldete sich dann zunächst noch Frank Meuche (53/IGO) und danach Sascha Neuhäuser (SPD). "Ich werfe auch meinen Hut in den Ring."

Eine Überraschung bedeutete das Trio nicht, alle waren auch schon Bürgermeisterkandidaten 2001 und 2008 gewesen, als noch das Volk direkt über dieses Amt entschied. Immerhin hatte Manfred Riecher, Fachbereichsleiter im Rathaus, Stimmzettel auch mit dieser Variante schon vorbereitet und zur Sitzung mitgebracht.

Im ersten Wahlgang erzielte Neuhäuser fünf Stimmen vor Simons mit vier und Meuche mit einer. Schon da war klar, dass mindestens einer der fünf CDU-Leute gegen Simons gestimmt haben muss. Um Ortsbürgermeister zu werden, wäre aber eine absolute Mehrheit von mindestens sechs Stimmen notwendig gewesen.

Ein zweiter Wahlgang musste stattfinden. Mit dem Ergebnis, dass Neuhäuser und Simons jeweils fünf Stimmen erhielten, also die "Meuche-Stimme" nun zu Simons gewechselt war. Das Los musste entscheiden. "Das Gesetz sieht vor, dass der Vorsitzende das Los zieht", unterstrich Riecher.

Ulrich Simons wird seine vierte Amtszeit, die bis Mitte 2019 reicht, Anfang Juli antreten. Zieht er durch, wäre er 25 Jahre Bürgermeister. Am 11. Juni sollen er und die anderen fünf neugewählten Ortsbürgermeister im Stadtrat bestätigt werden. Im Ergebnis bleiben Simons (Osterwieck), Jürgen Seubert (Berßel) und Hans-Jürgen Saft (Bühne) im Amt. Neue Ortschefs sind Bettina Grünewald (Wülperode), Erwin Marchlewsky (Schauen) und Daniel Wüstemann (Lüttgenrode). Die neuen Amtsträger in Wülperode und Schauen hatten sich in den Wahlen gegen die jeweiligen Amtsinhaber durchgesetzt. In Berßel, Bühne und Lüttgenrode gab es jeweils nur einen Kandidaten.