Wenn alles klappt, ist Berßel ab dem Jahresende vor dem Hochwasser der Ilse weit besser geschützt als in der Vergangenheit. Sachsen-Anhalts Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens informierte vorgestern Abend die Berßeler Einwohner vom weiteren Zeitplan. Vermittelt worden war dieser Besuch vom Landtagsabgeordneten Bernhard Daldrup.

Berßel. "Die vorbereitenden Arbeiten beginnen am 14. Februar", wurde der Minister gleich konkret. Und falls am Montag noch kein Arbeiter vor Ort sein sollte, sagte er: "Dann rufen sie bei mir an." Bei den vorbereitenden Arbeiten handelt es sich zunächst um Baumfällungen und das Entsorgen von Schadstoffablagerungen.

Letzteres war zuletzt ein Knackpunkt, warum sich der Bau der Hochwasserschutzanlagen weiter verzögerte. Erst im Januar dieses Jahres wurde im Gespräch mit Landkreis und Landesbetrieb für Hochwasserschutz ein Lösungsweg gefunden. Die Schadstoffe aus dem Bauschutt werden herausgesiebt und entsorgt. Ebenso die wilden Müllablagerungen aus nunmehr schon Jahrzehnten.

Stammen diese von Einheimischen oder Auswärtigen – niemand weiß es genau. Kreis-Umweltamtsleiterin Christiane Werner sagte zu den Berßeler aber klipp und klar: Kommen dort erneut Müllablagerungen hin, gibt es ein Problem, und der Hochwasserschutz wird dieses Jahr nicht mehr entstehen. "Meine Bitte an die Bürger, bringen sie dort nichts mehr hin. Sonst verzögern sie das Vorhaben!"

Die eigentlichen Baumaßnahmen der Hochwasserschutzanlagen sollen im zweiten Halbjahr beginnen, informierte Minister Aeikens. Zuvor muss noch das Planfeststellungsvorhaben abgeschlossen sein. Das soll "zeitnah" im zweiten Quartal erfolgen.

"Hochwasserschutz hat ganz hohe Priorität."

Damit wird es immerhin fast zehn Jahre gedauert haben seit dem letzten verheerenden Hochwasser im Juli 2002. Zehn Jahre, in denen die Berßeler bei jedem Anstieg der Ilse um ihr Hab und Gut bangten, zehn Jahre, in denen sie immer wieder den Hochwasserschutz anmahnten. ""Ich kann es noch gar nicht glauben. Kein Bürger kann verstehen, dass sich das so lange hinzogen hat" sagte der Berßeler Ulrich Kolbe. "Ich freue mich, dass es jetzt losgeht."

Minister Aeikens erläuterte, dass das Land 1300 Kilometer Deiche hat. Im Jahr 2002 hätten erst fünf Prozent davon die DIN-Norm erfüllt. Daraufhin sei ein Plan bis 2010 aufgestellt worden. 440 Millionen Euro seien seitdem investiert worden, nunmehr erfüllten 40 Prozent der Deiche die Vorgaben. Bis 2020 sollen nochmal 600 000 Millionen Euro verbaut werden. "Hochwasserschutz hat ganz hohe Priorität."

Für die Orte an der Ilse sei es sicher erschwerend gewesen, dass 2002 kurz nach der Überschwemmung auch die große Elbe und andere Flüsse über die Ufer traten. Die Elbe hatte die Probleme der Ilse überdeckt. "Wir werden uns jetzt um viele kleine Orte an kleinen Flüssen kümmern. Dass sie an der Ilse Probleme haben, das weiß ich sehr wohl", so Aeikens.

Die Probleme hier an der Ilse sind aber anders als an der Elbe, weil die Hochwasser plötzlich entstehen. Ältere Berßeler monierten wiederholt, dass die Ilse nicht mehr ausgebaggert wird und das Flussbett heute viel höher liege als früher. Kerstin Mottl vom Landesbetrieb erläuterte, dass den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen hydraulische Berechnungen vorausgingen. Grundlage sei dabei das heute vorhandene Flussprofil. Das Flussbett auszubaggern, sei schon aus Naturschutzgründen nicht möglich.

1,2 Millionen Euro wird das Land für das Berßeler Vorhaben ausgeben. "Wir stecken also eine Menge Geld rein", sagte Hermann Onko Aeikens. Darüber hinaus plant das Land im Osterwiecker Stadtgebiet dieses Jahr noch zwei weitere Vorhaben. Zwischen Berßel und Osterwieck soll ein Deich gezogen werden. Für diese Maßnahme wird jetzt die Ausschreibung vorbereitet. Vergangenes Jahr hatte es hier schon archäologische Vorerkundungen gegeben.

Außerdem ist in Osterwieck der Rückbau des Großen Schütts geplant. Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ und Ortsbürgermeister Jürgen Seubert schilderten dem Minister zwar noch einmal die Ängste der Berßeler in den vergangenen Jahren, blicken jetzt aber vor allem nach vorn. Seubert: "Ich bin froh und glücklich, dass wir jetzt anfangen."